Do
30
Jun
2011
In die Luft gehen – auch dicke Menschen können fliegen
Fliegen kann für dicke Menschen zu einem Alptraum werden. Dies liegt an kleinen Sitzen und Einrichtungen, die es dicken Menschen nicht leicht macht. Trotzdem, auch dicke Menschen können fliegen.
copyright Thomas Balder
Ziel sollte es sein, keine volle Maschine zu erwischen, damit sie die Möglichkeit haben, sich im Flugzeug gegebenenfalls umzusetzen. Sie können beim Einchecken auch versuchen, einen Sitzplatz zu bekommen, dessen Nachbarsitz frei bleibt. Mehr als ein „Nein“ können sie nicht zu hören bekommen. Bei meinem letzten Flug mit der Lufthansa wurde ich zwar darüber aufgeklärt, daß es eine Garantie für einen freien Platz nur gäbe, wenn ich diesen auch zusätzlich gebucht hätte, aber dennoch blieb der Platz neben mir frei. Grundsätzlich sind die Plätze am Gang am geeignetsten. Manche Maschinen haben sogar einige Plätze am Gang, bei welchen sich auch zum Gang hin die Armlehne hochstellen läßt und sich damit zusätzlicher Platz verschafft werden kann. Auf jeden Fall sollten sie um einen Sitz bitten, mit hochstellbarer Armlehne und diese auch gleich beim Platz nehmen hochstellen. Ein möglicher Nachbar wird nach einer freundlichen Erklärung meist nichts sagen.
Wenn sie zu zweit fliegen und online einchecken können, empfiehlt sich bei Dreier-Reihen den Fenster und Gangplatz zu buchen. Der Mittelplatz bleibt dann leer. Sollte die Maschine so voll werden, dass auch dieser Platz vergeben wird, können sie sich zu ihrem Reisegefährten umsetzen und wahlweise den Fenster- oder Gangplatz der dritten Person anbieten. Diese wird darüber meist sehr dankbar sein und umso verständlicher auf die insgesamt enge Platzsituation reagieren.
Alle Flugzeuge führen Gurtverlängerungen mit sich, die den Sicherheitsgurt auf jedes Maß verlängern können. Bitten sie entweder bereits beim Einchecken oder beim Betreten der Maschine um einen solchen Gurt, wenn sie diesen benötigen. Englisch heißen diese „Seat-Belt-Extension“. Und entgegen Aussagen bei Callcentern von Fluggesellschaft, die Nutzung ist kostenlos.
Da die Gänge in den Flugzeugen oft sehr eng sind, kann es sinnvoll sein, die Möglichkeit des „Pre-boardens“, also des frühzeitigen Aufsuchens der Maschine, zu nutzen. Die Flugbegleiter werden in der Regel nichts sagen, wenn sie mit Kindern und anderen frühzeitig an Bord gehen, im Zweifel hilft aber auch hier eine kurze Erklärung. Nachdem die Maschine voll ist, kann es klug sein, die Flugbegleiterin zu bitten, sie nochmals umzusetzen. Oft bleiben in der Maschine mehrere Plätze frei und sie können so einer unangenehmen engen Situation mit einem Nachbarn entgehen.
Vor dem Aufsuchen der Maschine sollten sie die Toilette im Flughafengebäude benutzen, da die Flugzeugtoiletten nicht gerade großzügig gebaut sind. Je nach ihren Bedürfnissen und nach der Länge des Fluges kann es sinnvoll sein, eine Maschine mit Behinderteneinrichtungen zu buchen – und im Notfall für diese auch einen anderen Reisetermin in Kauf zu nehmen.
Snacks und Getränke werden in der Regel auf den kleinen Tischen, herausklappbar aus dem jeweiligen Vordersitz, eingenommen. Dies kann eine sehr beengende Angelegenheit werden. Wenn der Platz neben ihnen frei ist, können sie dort den Tisch ausklappen. Oder sie bitten die Flugbegleitung ihren Vordermann zu fragen, ob er für die Essenszeit bitte seinen Sitz in aufrechte Position bringen kann. Dies bringt ihnen meist einige Zentimeter Luft. Eine letzte Möglichkeit bietet ein Kissen, welches sie sich auf den Schoß legen und darauf das Tablett stellen.
Wenn sie für die Wege auf dem Flughafengelände, die ja zum Teil sehr lang sein können, Hilfe benötigen, geben sie dies bei der Buchung zu erkennen. Es ist an allen Flughäfen kein Problem, auf ein Flughafenfahrzeug oder einen Rollstuhl zurückzugreifen.
Für ihre eigene Bequemlichkeit kann es sinnvoll sein, einen zweiten Platz zu buchen. In diesem Fall sollten sie dies dem Flugbegleitpersonal deutlich sagen, damit nicht bei Beginn des Fluges jemand diesen bezahlten Platz einnehmen will. Die meisten Fluggesellschaften fordern sie nicht auf, einen zweiten Platz zu buchen – dies hat sich unseres Wissens bisher nur in den USA für sehr dicke Menschen etabliert.
In den meisten Fällen – Ausnahmen bestätigen hier die Regel – ist das Fliegen für dicke Menschen relativ unproblematisch möglich, oft sogar ein positives und spannendes Abenteuer. Für ihre Einstellung beim Fliegen ist es wichtig, sich bewußt zu machen, daß sie ein Recht darauf haben, angenehm zu reisen und daß sie von respektvoller Behandlung ausgehen dürfen. Sollte dies dann mal doch nicht so sein, beschweren sie sich bei der entsprechenden Fluggesellschaft. Mindestens die dicken Passagiere nach ihnen werden ihnen dies danken.
Gute Reise!
Bilder mit dem Quellennachweis Pixelio stammen vom Anbieter www.pixelio.de.
Kommentare: 2
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#1
Das "Abenteuer" geht aber auf Kosten der Mitreisenden wenn durch die "Überlappungen" der Platz daneben beansprucht wird. Ich - eher dünn - muss mich im Flugzeug auch sehr oft damit auseinandersetzen dass meine dicken Sitznachbarn wenn sie eingeschlafen sind alles zu mir rüberhängen (Ellbogen, Bauch, Hintern und Beine). Bitte bucht euch doch einfach einen zweiten Sitz wenn ihr für zwei Personen wiegt.
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#2
Ich bin selbst sehr dick und habe genau das Gegenteil festgestellt, nämlich, dass dicke Menschen meist bei Flügen sehr darauf bedacht sind, ihre Formen in den Grenzen ihres Platzes zu halten, wobei Leute mit Normal- bzw. Untergewicht mir schon oft ihre Knochen in die Seite gerammt haben, weil sie beim Essen die Ellenbogen weit abstehen lassen. Es gilt also wie überall... es gibt Leute, die sich zu benehmen wissen und solche, die nicht... unabhängig von der Figur.

