Debby – mit Körperfülle zum Geschäftserfolg, und wie!

Ich bin Debby, 46 Jahre, Mama von 3 Kindern und glücklich verheiratet.

Ich bin in Hannover geboren und lebe und arbeite dort noch immer. Meine große Leidenschaft ist die USA – ich liebe das Land und die Leute, besonders Kalifornien und Texas.

 

Aus einer Not eine Tugend machend vertreibe ich seit Dezember 2004 Damenmode in Übergrößen mit dem Onlinegeschäft und als Lagerverkauf www.debbys.de.

 

Das entstand so:

Vor ca. 7 Jahren gelang es mir, 25 kg abzunehmen. So „fiel“ ich von Konfektionsgröße 56 auf Gr. 48/50. Voller Elan machte ich mich also auf die Suche nach schicker, junger, modischer Kleidung. Ich war 38 Jahre, Mama von 3 Kindern. Aber was mich in den Läden erwartete, war mehr als deprimierend. Ich musste mir von Verkäuferinnen, die selbst Gr. 34 trugen sagen lassen : „ Tut mir leid, in Ihrer Größe haben wir das nicht.“ Auch wenn mich Verkäuferinnen mit Gr. 34/36 fragten, ob sie mir helfen könnten, war ich nicht wirklich überzeugt davon, dass sie das könnten.

 

Dabei war ich doch so stolz, „nur“ Gr. 48/50 zu tragen. Nach etlicher langer Suche stellte ich fest, dass es entweder „Zelte“ gab, die einfach nur formlos an mir herunterhingen oder Pullis, mit niedlichen Teddyapplikationen. Beides wollte ich absolut NICHT !

 

Ich fing also außerhalb Deutschlands an, nach passender Kleidung zu suchen. Bei Ebay.com (USA) wurde ich dann schließlich fündig. Außergewöhnliche, schicke, junge Mode, die Schultern und Decollete zeigten und die Problemzonen überspielten – bis Gr. 5XL – ein echter Traum. Ich kaufte in den USA für ca. 200 Euro einige Stücke ein und wartete gespannt auf die Lieferung. Nach 2 Wochen waren die Teile da. Ich probierte an, es waren Stücke dabei, die waren einfach perfekt, andere hatten bei mir Passformmängel oder gefielen mir dann an mir doch nicht so recht.

Ich stellte sie bei Ebay.de (Deutschland) ein und war einfach baff – die Nachfrage war enorm. Auch meine gebrauchte Kleidung, die mir nun zu groß geworden war, stellte ich bei Ebay zur Versteigerung ein. Die Nachfrage nach Stücken in Übergrößen machte mich sprachlos. Ich kaufte erneut einige Stücke in den USA über Ebay ein und versteigerte sie bei Ebay Deutschland. Die Gewinnspanne war erstaunlich. Teile, die ich in den USA für US$24.99 gekauft hatte, erreichten hier Verkaufspreise von 80 oder 90 Euro. Ich erinnere mich an ein Teil, was sogar über 100 Euro erreichte! Diese Bluse ist bis heute ein Top-Seller! 

 

Da mein Mann damals arbeitslos war, machte ich mich nach Absprache mit ihm kurzentschlossen selbstständig und bot nun als gewerbliche Verkäuferin bei Ebay Ware an. Das war definitiv eine riesige Marktlücke! Nun ging aber die „Arbeit“ erst richtig los. Die direkten Hersteller und Großhändler mussten gesucht werden, damit ich bessere Einkaufspreise hatte. Viele Nächte surfte ich durch´s Internet und recherchierte und recherchierte. Ich schrieb etliche e-Mails in die USA und bekam keine Antwort. Ich rief die Hersteller an und hatte nur wenig Erfolg. Ich buchte sogar einen Flug, um vor Ort etwas zu erreichen. So zogen die Monate vorbei und der Erfolg, Hersteller zu finden, die nach Deutschland lieferten, war nur mäßig. Mein Sortiment blieb klein.

 

Dann kam die nächste Schwierigkeit, an welcher ich fast aufgegeben hätte. Der ZOLL ! Um die Ware gewerblich nach Deutschland einführen zu können, benötigte ich bestimmte Dokumente. Der Hersteller musste dabei tätig werden, er musste ein Zertifikat ausstellen, was die Industrie- und Handelskammer abstempeln und unterschreiben musste. Dieses Zertifikat musste der Ware beiliegen, außerdem eine korrekte Handelsrechnung. Nur dann war eine Verzollung und Abfertigung möglich und ich konnte die Ware erhalten. Ich kontaktierte also die Hersteller und gab Bescheid, dass diese Unterlagen absolut notwendig seien. Mir wurde versichert, dass das kein Problem sei und ich bestellte erneut Ware. Aber die Ware kam ohne Dokumente! Die Amerikaner machten sich einfach nicht die Mühe, diese bürokratischen Anforderungen zu erfüllen. So stand ich manches Mal beim Zoll, durfte meine Kartons öffnen und die Ware betrachten, bekam sie aber nicht, da die Unterlagen fehlten. Die Ware, die ich im Voraus bezahlen musste, wurde mir nicht ausgehändigt, sondern auf meine Kosten zurück in die USA geschickt. Ich war verzweifelt.

 

Erneut flog ich in die USA und ging direkt zur Industrie- und Handelskammer, um dort Mitglied zu werden und die notwenigen Dokumente auf diesem Wege zu erhalten. Es war nicht billig, aber nun hatte ich für vorerst 1 Jahr den direkten Weg zum notwendigen Dokument. Wenn Ware in Deutschland ankam, schickte ich also die Rechnung direkt in die USA zur IHK, um dort den Stempel und die Unterschrift zu bekommen. Danach wurden die Dokumente per Dokumentenpost und Kurier wieder nach Deutschland zurückgeschickt. Sehr umständlich, zeitaufwändig und kostspielig, aber ich konnte meine Ware daraufhin verzollen und sie mitnehmen.

 

Meine Kunden dankten mir diesen Aufwand mit vielen, vielen Dankes-e-Mails für die tolle Ware in großen Größen und fragten nach einem Ladengeschäft.

Hmm, das gab es nicht. Wie sollte ich das auch finanzieren? Der Zufall kam mir zu Hilfe und ein ehemaliger Schulfreund bot mir ein kleines Geschäft für eine annehmbare Miete in seinem Haus an. Ich willigte ein, benötigte aber nun Geld, um diesen Laden einzurichten.

 

 

 

Ein Unternehmensberater erstellte einen Businessplan und unterstützte mich bei der Suche nach einem geschäftlichen Darlehen. Wieder ein Punkt, wo ich extrem resigniert am liebsten aufgegeben hätte. Bank für Bank und Sparkasse für Sparkasse besuchten wir und stellen meine Geschäftsidee vor. Was war ich erleichtert, als beim ersten Termin eine Frau zur Tür hereinkam. Die würde mich verstehen. Die Bankerin trug einen tollen Hosenanzug, sehr modisch und geschmackvoll. Ich schätze, es war Gr. 32. Sie machte sich nicht mal die Mühe, den Businessplan durchzublättern. Sie sah mich an und sagte : „Übergrößen-Mode ?? Und dafür gibt es einen Markt ?“ Mehr möchte ich über diesen Termin nicht berichten. Der nächste Termin war ähnlich. Wieder eine nette Dame, gekleidet in Gr. 36. Sie sah sich den Businessplan durch und sagte: “Das werden wir nicht finanzieren – zu wenig Aussicht auf Erfolg.“

 

Na ja, einige Termine standen ja noch aus – ich hatte immer noch Hoffnung. Leider nicht lange – irgendwann stand der Besuch bei der letzten Bank an. Wir wurden in ein Büro geführt, nahmen Platz und ich verlor den letzten Rest meiner Hoffnung, als der Banker hereinkam. Ein sehr attraktiver Mann türkischer Abstammung, wirklich ein Bild von einem Mann. Der würde ganz sicher erst recht „nein“ sagen. Nachdem er sehr lange und ganz in Ruhe zugehört hatte und den Businessplan durchgesehen hatte, sagte er :“ DAS ist das, wonach meine Mutter schon ewig sucht. Übergrößen ! Das ist DER Markt. Ich kann das nicht ganz allein entscheiden, aber ich kann ihnen große Hoffnung machen. Ich denke, das unterstützen wir gerne.“ 2 Tage später hatte ich die mündliche Zusage, 1 Woche später habe ich den Vertrag unterschrieben! 2 Monate später war das Ladengeschäft eröffnet.

 

Die Nachfrage wurde größer und größer, aber ich hatte echte Mühe, dieser Nachfrage nachzukommen. Es war frustrierend. Hätte ich doch nur mehr Möglichkeiten, ich könnte noch viel mehr verkaufen. Viele Hersteller boten die Ware „nur“ bis Gr. 3XL an (deutsche Gr. 48). Aber ich hatte so sehr viele Nachfragen nach Gr. 50-60. Aber wie an solche Ware kommen, wenn sie niemand anbot ??

 

Es gab nur eine Lösung: Ich musste selbst herstellen! Tja, leicht gesagt, ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Nähen. Also gab ich eine Anzeige im Internet auf, dass ich eine Näherei suchte. Es meldete sich niemand. Ich nahm Kontakt zu anderen Händlern auf, um evtl. Kontakt zu knüpfen. Der Weg führte in die Türkei. Hier wurde viel genäht. Also schrieb ich viele Nähereien in der Türkei an und erhielt auch teilweise nette Antworten. Generelle Mindestmengen von 500 per Style. Alles klar, wie sollte das gehen? Ich bin eine kleine Einzelfirma. Aber diese Nähereien nähten für die „Großen“ der Bekleidungsindustrie. Da konnte ich nicht mithalten.

Als ich schon nicht mehr daran geglaubt habe, meldete sich bei mir per E-Mail eine kleine Näherei. Sie würden auch Kleinstmengen herstellen. Hörte sich super an. Es stellte sich heraus, dass sie aber wirklich NUR nähen. ALLE Materialien, wie Stoff, Knöpfe, Gummis, Nähgarn, Spitze, Satin usw. musste ich liefern.

 

Oh nein, WO kriege ich das denn her? Wieder die Suche nach Herstellern und Großhändlern. Es war schier unerschöpflich. Aber ich hatte Erfolg! Die vielen Monate mit vielen durchgemachten Nächten haben sich gelohnt. Je mehr Zeit vergangen war, je mehr Kontakte waren entstanden und je mehr Wissen habe ich gesammelt, WO ich WAS bekomme. Mein Erfolg ? Mein Unternehmensberater hat mir den ersten und zweiten Schlüssel zu meinem Erfolg gegeben, einfach nur mündlich. Er sagte: „Debby, vergessen sie nie: als Unternehmerin unternehmen SIE etwas. Und als Selbstständige arbeiten SIE selbst und ständig.“

 

In meinem 7. Geschäftsjahr, welches bis jetzt das erfolgreichste ist, kann ich nur sagen, dass genau das stimmt. Wochenenden, Feiertage und Feierabende gibt es für mich nicht. Ich arbeite fast rund um die Uhr, aber es macht mir Spaß und die Begeisterung meiner Kundinnen baut mich unheimlich auf. Ich gebe mir die größte Mühe, meine Kunden und Kundinnen zufrieden zu stellen und nehme Tipps und Hinweise sehr ernst.

Den 3. Schlüssel zum Erfolg habe ich mir letztendlich selbst erkämpft : NIE aufgeben - trotz vielen Schwierigkeiten - NIE aufgeben!!

Mittlerweile habe ich 2 Mitarbeiterinnen und produziere unter meinem eigenen Label bis Gr. 7X (Gr. 60). Zusätzlich habe ich feste Lieferanten von Ware, die ich nicht selbst herstelle. Ich habe einen online-shop (www.debbys.de) mit mehr als 6000 angemeldeten Kundinnen und verkaufe außerdem in Hannover direkt ab Lager. Auch bei Ebay (debbys_de) bin ich immer noch zu finden, mit mittlerweile über 8600 positiven (100%) Bewertungen. 2009 wurde ich von Ebay zur Unternehmerin des Jahres gewählt. Selbst im Bundestag durfte ich meine Geschäftsidee schon vorstellen.

 

Ich habe das Glück oder die Gabe, dass mir genau das gefällt, was meinen Kundinnen auch gefällt. Kleidung, die mich begeistert, biete ich meinen Kundinnen an und diese sind genauso davon angetan wie ich. Geschäftlich ist es dabei ein großer Vorteil, dass ich “rund” bin, denn meine Kundinnen haben Vertrauen zu mir, weil ich eine von Ihnen bin. Ich selbst kenne die kleidungstechnischen Probleme und Sorgen, die dicke Frauen haben.

Als dicke Frau habe ich in dieser Gesellschaft alle die Nachteile, die andere Dicke auch haben. Das fängt beim Sitzplatz im Flugzeug an und hört bei Veranstaltungen, wo alle gaffen, auf.

 

Die Aussage “dick = faul, träge und dumm” kann ich so gar nicht unterschreiben, denn ich arbeite täglich mehr als 10 Stunden, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Wäre ich träge, wäre ich nicht soweit gekommen und dumm bin ich ganz und gar nicht, denn ich bediene eine Nische, wo die Nachfrage täglich wächst.

 

Meine Homepage : www.debbys.de