Sind dicke Menschen beruflich und privat wenig erfolgreich?

Gedanken zu Ihrem persönlichen Wachstum

 

In den letzten Tagen erhielt ich mehrere Interviewanfragen zum Thema Diskriminierung dicker Menschen am Arbeitsplatz. Leider haben wir auf die Schnelle keine Interviewpartner gefunden, die zu diesem Thema tatsächlich eigene Erlebnisse wiedergeben konnten. Stattdessen haben wir uns in der Berliner Gruppe von Dicke e.V. ausgetauscht, in diesem Fall in einer Runde mit beruflich erfolgreichen dicken Frauen. Und wenn wir uns auch einig waren, dass es sehr viele dicke Frauen gibt, die beruflich nicht erfolgreich sind, hat mich interessiert, was wohl den Unterschied macht. Wenn es einige dicke Frauen gibt, die beruflich erfolgreich sind, was machen die dann anders? Denn wenn es eine grundsätzliche Diskriminierung aller dicken Frauen gäbe, dann dürften diese ja auch keinen Erfolg haben.

Der Unterschied könnte nach meiner Einschätzung in der eigenen Selbstwahrnehmung und – wertschätzung liegen, gepaart mit Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmalen, die Mitmenschen schätzen und die den dicken Körper möglicherweise nebensächlich, aber in jedem Fall nicht ausschlaggebend für eine Ablehnung erscheinen lassen.

 

In einem Text von Wolff Horbach habe ich dazu interessante Gedanken zum Thema persönliches Wachstum gefunden, die ich hier gerne leicht gekürzt/verändert wiedergeben will:

In jeder Kultur gibt es Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale, die von fast allen geschätzt werden: Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Mut, Beharrlichkeit, Geduld, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Weisheit usw.

Schaut man sich die ganze Palette unserer Gefühle an, so wird schnell klar, dass negative Gefühle meistens durch schlechte Eigenschaften entstehen und positive Gefühle durch positive Eigenschaften:

  Anna ist wütend, weil  der Chef sie herablassend behandelt hat.

  Christa hat Angst, weil sie der schmierige Typ in der U-Bahn blöd angemacht und bedroht hat.

• Susanne ist traurig, weil Max sie hintergangen hat.

• Hans freut sich, weil ihm seine Kollegin Petra geduldig zuhört.

• Wilma schöpft Hoffnung, weil ihr ihre Freundin Sabine Mut macht.

Es sind also die Menschen mit positiven Persönlichkeitsmerkmalen, die unser Glück fördern! Und das ist auch der Grund dafür, dass positive Persönlichkeitsmerkmale in jeder Kultur so hoch angesehen sind.

Die positiven Persönlichkeitsmerkmale wirken aber nicht nur auf andere, sondern auf den Träger selbst. Wer freundlich zu anderen ist, wird viel Freundlichkeit ernten. Wer geduldig ist, richtet keinen unnötigen Schaden an, sondern genießt den Moment der richtigen Reife. Wer beharrlich seine Ziele verfolgt, wird reich belohnt.


Unser Glückssystem ist unser Lernsystem

Mit den positiven Charaktereigenschaften und dem Glück haben wir das gleiche Problem wie bei Henne und Ei: Was war zuerst da? Fördert Glück die positiven Eigenschaften oder erzeugen die positiven Eigenschaften das Glück? Beides! Es gibt aus der Hirnforschung deutliche Hinweise darauf, dass unser Glückssystem unser Lernsystem ist. Eine ernstzunehmende These lautet so: Im Laufe der Evolution hat sich im Gehirn eine Funktion ausgebildet, die uns durch die Ausschüttung von Neurotransmittern – landläufig Glückshormone genannt – gute Gefühle vermittelt, wenn wir etwas Sinnvolles und Richtiges tun. Mit anderen Worten: Wir werden mit einem Hochgefühl dafür belohnt, wenn wir etwas tun, was für uns oder für Menschen in der Gemeinschaft förderlich ist.

Das Gehirn schüttet Glückshormone aus, wenn wir uns bewegen. Eben weil Bewegung für unsere Gesundheit wichtig ist. Das Gehirn schüttet aber auch Glückshormone aus, wenn wir anderen helfen. Damit wird belohnt, dass die Förderung von anderen oder der Gemeinschaft letztendlich wieder uns selbst zugutekommt.

Es lohnt sich also auf jeden Fall, seine positiven Persönlichkeitsmerkmale zu bilden!

 

Mein persönlicher Tipp:

• Erstellen Sie eine Liste von positiven Persönlichkeitseigenschaften. Diese Eigenschaften können Sie im Alltag bei anderen Menschen beobachten und so sammeln oder z. B. im Internet danach suchen.

• Achten Sie einmal darauf, wie diese positiven Eigenschaften zu Ihrem Wohlbefinden oder dem Wohlbefinden von anderen Menschen beitragen.

• Bewerten Sie für sich selbst, inwieweit die positiven Eigenschaften bei Ihnen persönlich ausgebildet sind (seien Sie nicht zu kritisch!).

• Wenden Sie die Eigenschaften, bei denen Sie besonders gut sind, möglichst oft an.

• Päppeln Sie die Eigenschaften, die bei Ihnen noch etwas unterentwickelt sind, auf.

So können Sie Schritt für Schritt selbst zu einer positiven Kraft werden, die das Glück von anderen Menschen fördert und dadurch auch selbst mehr Glück erfährt.

 

Dies geht übrigens in jedem Körper, vielleicht ist es in einem dicken Körper ein bisschen schwieriger, aber es nicht unmöglich. Vielleicht haben Sie schon viele negative Erfahrungen gemacht und die dadurch entwickelten Gefühle sitzen tief.  Dann ist der Weg ein langer, der in vielen ganz ganz kleinen Schritten gegangen werden kann. Was könnte ihr erster kleiner Schritt sein?

Denn, das war unser Fazit in unserer Runde: Das Leben ist zu schön, um Trübsal zu blasen und unglücklich zu sein. Und das haben locker 320kg -verteilt auf drei wunderschöne Köpfe- festgestellt.

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