Body & Peace - im Interview mit Gisela Enders

Gisela Enders bietet mit dem Coachingprogramm „Body & Peace“ ein modulares Coachingangebot zum Thema Körperakzeptanz an. Im Interview erklärt sie uns die Hintergründe dazu.

Gisela, seit wann gibt es das Angebot „Body & Peace“?

Nun ja, das ist eigentlich im Fluß entstanden und irgendwann habe ich dem Ganzen auch einen Namen gegeben. In meinen Coachings hatte ich zum Teil meist mit Frauen zu tun, die in irgendeiner Form auch ein Thema oder gleich mehrere Themen mit ihrem Körper hatten. Für mich überraschend war meine erste Klientin in dem Bereich; sehr schlank, aber wie sich dann in der Arbeit herausgestellt hat, einst magersüchtig, und nach wie vor sehr ängstlich, was den eigenen Körper und potentielle Gewichtszunahme angeht. Sie sagte ganz offen, dass ich für sie da auch Vorbild bin, weil ich offen und zufrieden mit meinem dicken Körper lebe. 

 

Bewusst angesprochen habe ich dann eher dicke Frauen, durch mein Engagement bei Dicke e.V. sind diese mir sehr nah. Und ich möchte gerne einen Beitrag dazu leisten, dass es ganz viele dicke Frauen in der Welt gibt, die stolz und mit erhobenem Haupte durch die Welt gehen. Die wissen, was sie können und wissen, dass ihnen ein Haufen Respekt gebührt. Vor etwa einem Jahr habe ich dann die Idee mit „Body&Peace“ geboren, als Coachingprogramm, welches den Klientinnen und Klienten gleich einen kleinen Überblick gibt, was wir machen werden.

 

Und was ist das?

Body & Peace ist ein Coachingangebot, welches in sechs Modulen geplant ist. Erfahrungsgemäss bearbeiten wir in diesen sechs Coachingtreffen die wesentlichen Fragen – wobei der Ablauf dann doch jedes Mal wieder anders ist. Jeder Mensch hat unterschiedliche Schwerpunkte und spezielle aktuelle Themen, auf die ich dann natürlich auch eingehe. Dennoch, wichtig ist mir, einige Bereiche rund um den Körper auf jeden Fall anzuschauen. Das sind die Bereiche respektvoller Umgang mit sich selbst und eingefordert von Anderen, die Auseinandersetzung mit den vielen versteckten Träumen rund um einen anderen (meist dünneren) Körper und das Annehmen des jetzigen Körpers mit der Konsequenz für diesen auch zu sorgen. Heißt konkret, wir schauen uns auch Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten an – nicht unbedingt mit dem Fokus abzunehmen (manche kann ich einfach nicht von diesem Vorsatz abbringen und dann ist das eben so…), aber mit der Verantwortlichkeit sich selbst Gutes zu tun. 

 

Das Ziel ist also nicht abzunehmen?

Nein, diese Hoffnung mag ich nicht „verkaufen“. Es gibt Klientinnen, die nehmen nach dem Coaching ab, weil sie für sich entdeckt haben, dass es einige ungünstige Ernährungsgewohnheiten gab, die sich abstellen lassen oder weil sie sich mehr bewegen. Aber – ich rate von allen Formen von Diäten oder Einschränkungen ab, einfach weil ich weiß, wie schnell das Gehirn hier arbeitet und Strategien dagegen entwickelt. Mir ist es wichtig, Spaß am eigenen Körper zu entwickeln. Und eben auch mit einer Vision zu leben, wie ein gesundes liebevolles Leben im eigenen Körper möglich ist, wenn dieser nicht laufend verändert oder gar bekämpft werden muss. Und ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Umgang auch langfristige der gesündere ist.

 

Wollen nicht alle zunächst abnehmen, die zu Dir kommen?

Ein bisschen ist das schon so, wenn es auch oft nur so eine versteckte Hoffnung ist. Ich nehme an, wer sich für die Kontaktaufnahme mit mir entschieden und sich vorher ein bisschen informiert hat, der ist jetzt nicht auf eine Ernährungsberatung eingestellt – sondern will schon ganzheitlicher an das Thema ran. Dennoch gibt es in der Arbeit dann immer wieder Momente, wo die Hoffnung aufblitzt. Und das ist ja auch ganz normal, immerhin leben wir in einer Welt, die laufend postuliert, dass wir nur glücklich leben können, wenn wir dringend abnehmen. Ich selbst verbuche es als einen großen Akzeptanzschritt, wenn eine Klientin beispielsweise ihrer Mutter verkündet, dass sie in Zukunft nicht mehr daran denkt, abnehmen zu wollen.

 

Wieso ist Dir dieses Thema eigentlich so wichtig?

Gute Frage – wahrscheinlich weil ich selbst den Weg der Selbstakzeptanz über viele Jahre gegangen und durch die Arbeit bei Dicke e.V. von vielen Menschen und den Medien immer wieder gefragt worden bin, wie ich das gemacht habe. Vor 10 Jahren -kurz nach meinem Weggang aus dem ersten Verein Dicke e.V. – habe ich dann meine Erfahrungen dazu in einem Buch „Dick das Leben leben“ wiedergegeben. Das war dann mein Schlußpunkt – außer ein paar Interviews habe ich dann erstmal mit dem Thema dicke Menschen nichts gemacht – auch weil ich beruflich als Geschäftsführerin im BUND voll eingespannt war.

Als ich mich dann vor einigen Jahren als Coach selbständig und dazu eine ganze Reihe Ausbildungen gemacht habe, kam die Auseinandersetzung mit meinem Körper wieder mehr an die Tagesordnung. Zumal in Coachingausbildungen ganz selten dicke Frauen sitzen. Viele Methoden, die man lernt, lernt man an eigenen Themen – ich habe hier meine eigene Körperwahrnehmung, mein Frauenbild und viele Verletzungen gerne zum Thema gemacht und nochmals sehr viel über mich gelernt. Dazu habe ich natürlich auch viel Neues gelernt, was mir heute als Coach hilft, Sichtweisen meiner Klientinnen zu verändern, Denkstrukturen zu überdenken und Blockaden aufzulösen.

 

Was passiert eigentlich im Coaching?

Der wesentliche Unterschied zu einem guten Gespräch mit einer Freundin ist, dass es beim Coaching ausschließlich um die andere Person geht. Um die Themen, die dort aktuell sind und die Veränderungswünsche, die verwirklicht werden sollen. Denn ob Führungskraft eines Unternehmens oder dicke Person – oder beides, lach – keiner kommt zu einem Coaching um mir zu erzählen, dass alles gut läuft. Denn dann kann man sich auch mit einer Freundin unterhalten, das ist billiger. Also, es gibt irgendwas was verändert werden soll, meist erstmal in der negativen Form. Irgendwas soll nicht mehr so sein, wie vorher. Die Frage, wie es dann sein soll, wenn es besser ist, ist meist schon ungewohnt. Wenn wir den positiven Wunschzustand kennen, dann arbeiten wir daran, wie der erreicht werden kann.

 

Und wie geht das? Kannst Du zaubern?

Nein, zaubern kann ich nicht und die Hauptarbeit liegt immer noch bei meinem Gegenüber. Aber esgibt viele unterschiedliche Methoden mit welchen man viele Veränderungen erreichen kann. Je nach Thema und Person wähle ich Gesprächsformen, manchmal lassen sich Probleme mit wingwave „wegwinken“ und in anderen Fällen sind beispielsweise Problemslösungsgymnastiken gerade bei Körperthemen ausgesprochen wirksam.

 

Du machst das auch am Telefon, wie gehen solche Methoden denn dort?

Gespräche funktionieren am Telefon gut, wenn natürlich auch manchmal mit Einschränkungen. Ich muss zum Teil die Anleitungen sehr genau geben und mich dann auf die Wahrnehmung der Klienten verlassen, ob was geklappt hat. Aber letztlich ist die Wahrnehmung der anderen Person sowieso das einzige Kriterium, nach dem ich gehen kann. Denn nur da muss es wirken – nicht bei mir.

 

Gisela, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Susanne (Donnerstag, 08 September 2011 22:59)

    So ein Coaching würde mir wohl sehr helfen. Das geht tatsächlich am Telefon? Ich sitze im tiefsten bayrischen Wald.