Aktivitäten in der dicken Community führen zu einem gesünderen Leben

Besonders im Internet haben dicke Menschen einen geschützten Raum gefunden, in welchem sie sich begegnen und austauschen können, ohne laufend von Stigmatisierung und Vorurteilen betroffen zu sein. In einem vielfältigen Angebot von Internetseiten, Blogs, Foren und vielem mehr haben dicke Menschen eine Stimme in der sogenannten „Fatosphere“ gefunden.

Während die Dicken-Bewegung oft für die Förderung von Fettleibigkeit kritisiert wird und die Aktivitäten als Ermutigung zur Aufgabe von Diäten kritisiert werden, veröffentlichte nun eine Studie von Forschern an der australischen Monash University in der Fachzeitschrift Qualitative Health Research, dass sich bei Personen, die der Dicken-Bewegung angehören, die psychische Gesundheit und ihr Wohlbefinden verbessert hat und sie sich motivierter fühlten, einen gesunden Lebensstil zu führen.

Dr. Samantha Thomas, Wissenschaftlerin an der Universität, sagte, dass viele dicke Menschen ihr ganzes Leben darauf fokussiert sind, nicht gut genug zu sein. "Sie fühlen sich durch ihren Körper tief beschämt und erwarten, dass sie von anderen negativ behandelt werden", so Dr. Thomas.

"Personen in dieser Studie bekamen ständig von Freunden, Familienmitgliedern und Angehörigen der Gesundheitsberufe erzählt, dass ihr Körper nicht akzeptabel seien. Sie beschrieben einen überwältigenden Hass auf ihren Körper seit früher Kindheit, und drückten ein Gefühl der Frustration aus, verbunden mit dem Gefühl des persönlichen Versagens an ihre Unfähigkeit, dem dünnen Ideal zu entsprechen.

"Dies führt zu zahlreichen und zunehmend extremen Versuchen der Gewichtsreduktion, da die Verantwortung und Schuld für das eigene Übergewicht und neue Gewichtszunahme übernommen wird.“ Ergänzend beschreibt sie, wie Selbsthass, Scham und Verlegenheit dazu führt, die untersuchten Personen von Aktivitäten des täglichen Lebens zu trennen.

Viele Menschen in der Studie verinnerlichten dieses Gewichts-Stigma derart, dass sie auch selbst der Meinung sind, dass sie die Ablehnung ihres Körpers durch Freunde, Familienmitglieder und der Allgemeinheit, verdient haben. Viele seien deshalb fest davon überzeugt, dass eine Gewichtsreduktion die einzige Möglichkeit sei, ihre diskriminierende und stigmatisierende Situation zu verbessern.

"Für die meisten stellte Gewichtsverlust und restriktives Essen die einzige Möglichkeit dar, wie sie jemals einen Weg in die Gesellschaft finden würden, eben verbunden mit der Anpassung an ein ästhetisches und medizinisches Ideal der Magerkeit", erforschte Dr. Thomas bei den untersuchten Personen.

Anders sah dies bei Personen aus, die sich selbst aktiv in einer dickenfreundlichen Umgebung – meist im Internet – bewegten. Jenseits der Erwartung, dass hier eine ungesunde, weil gewichtsfördernde, Lebensweise propagiert würde, ergab die Untersuchung, dass die Entdeckung und die Teilnahme an Diskussion zum Thema Akzeptanz des dicken Körpers tatsächlich half, dass die untersuchten Personen sich mit ihrer Gesundheit beschäftigten, soziale Interaktionen verstärkten und ihre Körper zunehmend akzeptierten.

"Es gibt nur wenige Orte in der Gesellschaft, wo dicke Menschen sich akzeptiert fühlen und ihre Erfahrungen mitteilen und austauschen können, ohne dass Ihnen gesagt wird, sie sollten Gewicht abnehmen. Die „Fatosphere“ ist insofern ein Ort der Unterstützung, Akzeptanz und Empowerment ", so Dr. Thomas.

"Ein Mann erklärte, so die Forscherin weiter, das Wichtigste für ihn sei ein Gefühl der Gemeinschaft, eine Bestätigung, dass er nicht allein ist."

In den meisten Fällen bestätigten Teilnehmer der Studie, dass die Einbindung in die „Fatosphere“ ihr physisches und psychisches Wohlbefinden verbessert hatte. „Obwohl die Dickenbewegung möglicherweise nicht für alle dicken Menschen hilfreich ist, so stellt sie doch eine wichtige Alternative dar, für Menschen die zum Teil extrem negative Erfahrungen mit ihrem dicken Körper assoziieren", so Dr. Thomas.

"Abschließend bleibt die Feststellung, dass es bereits sehr hilfreich wäre, bei dicken Menschen die „Schuld“- Rhetorik einzustellen und mit konstruktiven Vorschlägen und unterstützenden Wegen auch dicken Menschen ein gesundes und aktives Leben zu ermöglichen.“

Originale englische Quelle dieses Textes: http://asiancorrespondent.com/62532/obese-people-find-a-voice-in-the-fatosphere/

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Kommentare: 2
  • #1

    Carola Beetz (Montag, 05 September 2011 20:45)

    Hallo,
    ich finde diesen Beitrag sehr lesenswert. Es ist so schwer übergewichtige Menschen zu erreichen - Ausnahme ist das Internet. Wir suchen für unsere Selbsthilfegruppe - die Aktiven XXLer - noch Leute die gerne unter ihresgleichen Aktivitäten nachgehen möchten. Es gibt kein muß und es soll einfach Spaß und Freude machen bei uns mit zu machen. Wie gesagt wir suchen und suchen ... doch wie stellt man/frau es an - Menschen zu erreichen ohne sie zu verletzen. Wir zerbrechen uns darüber schon sehr lange die Köpfe und kommen nicht weiter. Es wäre schön, wenn sich "Übergewichtige Menschen" einfach den ersten Schritt zutrauen würden ... zurück in die Wohnung kann es immer noch gehen. Denkt dran wir haben nur ein Leben und soll dieses Leben nicht so schön wie möglich erlebt werden ??? Ganz liebe Grüße Caro

  • #2

    Susanne (Donnerstag, 08 September 2011 22:17)

    Hi,
    also ich kann dem nur zustimmen. Seit ich mich im Netz tummle, bin ich doch sehr ins Nachdenken gekommen und habe deutlich meinen Selbsthass verringert.
    Dafür allen Danke
    Susanne