Mela´s Mollycheck: Runde Kunst von Sandra Hübner

Diesmal möchte ich euch Sandra Hübner vorstellen. Sie ist Künstlerin und hat vor kurzem eine Gemäldereihe mit dem Titel ´Todsünden` gemalt. Ausschließlich dicke Frauen haben für diese Reihe Modell gestanden. Ich fand dies Grund genug um sie zu interviewen.

 

Wie kam es zu dieser Serie?


Ich kann Dir nicht mehr genau sagen wie es zur Ursprungsidee der Serie kam, warum die Todsünden. Bildinhalte fallen einem als Künstler wohl den ganzen Tag über ein - und manche scheinen so faszinierend, daß sie hängen bleiben, sich entwickeln, ausformuliert werden und wie in diesem Fall zur Arbeit von knapp einem Jahr werden können. 

 

Copyright: Sandra Hübner
Copyright: Sandra Hübner

Warum hast du dir gerade mollige Frauen für deine Bilder ausgesucht?


Ich bin selbst üppig und aber auch eine Frau, die da nichts zu verstecken findet. Ich meine, meinen Stil gefunden zu haben und mit diesem froh und frei durchs Leben zu wandern. Die Bilder zur Todsündenserie sind im Prinzip allesamt Bilder meines eigenen Ichs. Was könnte ich schon malen, das mir nicht selbst entspräche? Ich wollte mit den Models Schönheit zeigen, jenseits von Größe 36, Stolz und Pracht und Selbstzufriedenheit, oder ganz natürliche Regungen - wie den Neid beispielsweise. Die Bilder sollten gleichzeitig unabhängig von der Körperlichkeit der Frauen sein, jeder - egal welcher Größe und welchen Umfangs - sollte das Dargestellte nachvollziehen können. 

 

Copyright: Sandra Hübner
Copyright: Sandra Hübner

Kannst du dir vorstellen, daß gerade das Thema dicke Frauen und Todsünden bei einigen Menschen negativ aufgefasst werden könnte?

 

Mollige Frauen stehen natürlich für jede einzelne Sünde gleichzeitig - sie sind im landläufigen Sinne natürlich verfressen, übellaunig, neidisch sowieso und wollüstig ja immer, die haben einfach nichts unter Kontrolle. Mir sind solche Sprüche wohlbekannt.

Die Bilder nun sollten zeigen, daß das lustvolle Übertreten der Sünden-Kontrolle jedem bekannt ist, sie haben nichts mit Üppigkeiten zu tun. Nein, ich habe nie geglaubt, daß meine Intention falsch verstanden werden könnte, dafür waren die Bilder zu sehr durchkonzipiert. Mir war die ironische Umsetzung wichtig und diese erscheint ebenso deutlich wie sich bisher jeder Betrachter von der Pracht der Modelle hinreißen ließ.

 

 

Copyright: Sandra Hübner
Copyright: Sandra Hübner

Kannst du dir ein Leben ohne Laster vorstellen?


Ohne all diese hässlichen Laster? Im Laufe der Beschäftigung mit dem Thema sind natürlich noch viele weitere Fragen aufgekommen. Warum betreffen mich selbst seit meiner Geburt diese Verbote wie "iß nicht so viel", "sei nicht faul und träge", "vermeide ungezügelten Kontrollverlust", die sich für mich allesamt aus diesen kirchlichen Verboten herleiten lassen - warum also betreffen sie mich, wenn weder ich noch meine Eltern jemals einen kirchlichen Bezug hatten? Was haben uns die Sünden heute noch zu sagen? Wie durchdrungen ist die Gesellschaft von diesen Normen? Warum ist es nicht okay neidisch zu sein - bei etwas so Schönem, daß es einem schier die Schuhe auszieht? Kann man nicht auch einmal wirklich wütend sein wenn es angebracht ist? Warum ist Wollust immer nur sexuell notiert? Fragen über Fragen...

 

Weitere Informationen über Sandra Hübner und ihrer Arbeit findet ihr auf: www.sandrahuebner.de

 

 

Copyright: Sandra Hübner
Copyright: Sandra Hübner

Kommentar schreiben

Kommentare: 0