Selbstmord – eine reale Gefahr für dicke Menschen, besonders Jugendliche?

In Deutschland habe ich zu diesem Thema noch keine Diskussionen oder Statistiken entdeckt, aber anlässlich der Amerikanischen „Suicide Prevention Week“, der amerikanischen Woche gegen Selbstmord, die in dieser Woche stattfindet, bin ich auf einige erschreckende Zusammenhänge zwischen Dick sein und Selbstmord zumindest in den USA gestossen. 

 

 

Dr. Deahs schreibt in ihrem Blog:

„(…) Viele dicke Menschen erreichen einen Punkt, wo sie sich so gequält fühlen von der Aggression und offener Abscheu welcher gegen ihren Körper gerichtet ist, dass sie das Elend durch Selbstmord beenden. Für diejenigen von ihnen, die dies als für sehr weit hergeholt halten, glauben sie mir. Ich habe einige Jahre in der stationären Psychiatrie gearbeitet, unter anderem auch mit Jugendlichen, die wegen Suizidversuchs zu uns kamen. Die Zahl der jungen Menschen, die als Hauptgrund für diesen Versuch, den Ekel vor ihrem Körper angaben, war erschreckend hoch und würde sie weniger daran zweifeln lassen, wie viele Menschen ihrem Leben ein Ende setzen wollen, weil sie keine vermeintliche Kontrolle über ihren Körper erlangen und sich zu dick fühlen.

Ich wünschte, ich könnte berichten, dass diese Überbleibsel vergangener Tage sind. Aber im Gegenteil. In einer Gesellschaft in der Menschen aufgrund ihrer Größe beleidigt und diskriminiert werden, kommt es eben auch dazu, dass Kinder und Erwachsene diesem Zustand das für sie letzte Ende setzen.

 

Lächerlich? Ja. Selten? Nein

 

Ein Grund dafür ist, dass es nach wie vor in unserer Gesellschaft legitim ist, Menschen, die dick sind wahlweise mit ungebetenen Ratschlägen, Vorurteilen und Beleidigungen zu behandeln. Nur weil sie dick sind, ist hier ein Verhalten erlaubt, was für alle anderen Bevölkerungsgruppen als abwertend und politisch nicht korrekt angesehen werden würden. Lesen sie jeden Zeitungsartikel oder Blogbeitrag in Internet, bzw. die entsprechenden Kommentare. Dort gibt es immer Menschen, die die Stirn haben zu behaupten und zu fordern: "Dicke Menschen verdienen es zu sterben. Sie nehmen zu viel Platz weg und sie sind widerlich anzusehen. "

 

Lächerlich? Ja. Selten? Nein. Schmerzhaft? Absolut.

 

Im letzten Jahr brachte sich in Illinois ein 10 Jahre altes Mädchen um, weil sie sich so hoffnungslos in Bezug auf ihr Dicksein fühlte. Sie ist nicht allein. Es gibt leider viele Beispiele in den USA.

 September 9-15 ist National Suicide Prevention Week in den USA

Und welch interessanter, sicherlich zufälliger zeitlicher Zusammenhang zur nächsten Aktionswoche, der Weight Stigma Awareness Week (Woche gegen Gewichtsdiskriminierung) vom 24. – 28. September. Der Zusammenhang ist leider nicht zufällig: Wir wissen bereits, es gibt ein starken Zusammenhang zwischen Gewichtsmobbing und Selbstmord und vielleicht ergreifen wir bei zwei Awareness-Woche, die so nah beieinander liegen, erste Maßnahmen, die die Notwendigkeit anerkennen, diese vermeidbare Verschwendung von Leben anzugehen.“

 

Auf Bodyacceptance finden wir weitere erschreckende Informationen zum Thema Selbstmord dicker Jugendlicher, also leider Menschen, die noch ihr Leben und wahrscheinlich auch die powervolle (mögliche) Entdeckung, dass auch ein lebenswertes Leben in einem dicken Körper denkbar ist, noch vor sich haben.

 

Hlkolaya sammelte diese Todesfälle und schreibt dazu: „(...) Leider berichte ich jeden Tag über jemanden, der Selbstmord begangen hat und bei dem oder der das Thema Gewichtsdiskriminierung eine teilweise Rolle gespielt hat oder sogar der komplette Auslöser für diese radikale Tat war. Warum? Wir schreiben viel über Dickenstigmatisierung, aber manchmal wird die Tiefe dieser Dramatik, wie sie sich für manche Menschen auswirken kann, übersehen. Verfangen in dieser Dramatik, ausgegrenzt und beschimpft durch die Gesellschaft, ohne echte Hilfe und in großer gefühlter Ausweglosigkeit, nehmen sich erwachsene Menschen und leider auch schon Kinder das Leben. Dabei geht es nicht um vereinzelte verletzte Gefühle und Stolz. Die überwiegende Mehrheit der dicken Menschen, die ich kenne haben, die einen Selbstmordversuch in diesem Kontext begangen haben, berichten, dass dies aufgrund der Gewichtsstigmatisierung und besonders aufgrund des Hasses von dünnen Menschen in ihrem Umfeld auf dicke Menschen der Auslöser war. Und ich will nicht hören, "aber Dicksein tötet auch so, who cares, wenn ein paar Leute sich selbst töten? Es sind weniger Menschen, als die Menschen, die an einer Herzkrankheit sterben". Es ist ein bedauernswertes und abscheuliches Argument, selbst wenn man dem Gedanken anhängt, dass dicke Menschen ein hohes Risiko an Herzkrankheiten haben können, so werden elende und mit Selbstmord-Gedanken behaftete Menschen nicht dazu beitragen, ein gesünderes Leben zu führen, sicherlich auch keine Gewichtsabnahme zu bewerkstelligen.

Oft wird der Fat Acceptance Bewegung vorgeworfen, es handle sich nur um einen Haufen dicker Menschen, die nach einer Entschuldigung suchen, um nicht abnehmen zu müssen. Es ist ernster als das. Es handelt sich hier um eine Frage der Menschenrechte, nichts anderes als alle anderen Menschenrechte. Die Ausgrenzung einer Bevölkerungsgruppe, der bisher keine gesunde und langfristige Alternative zum Dicksein angeboten wurde, ist genauso eine Ausgrenzung, wie bereits farbige, homosexuelle oder jüdische Menschen aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurden. Ohne echten Grund aber mit grausamer Vehemenz.

Wir müssen anfangen, dies als die Krise zu sehen, die sie ist. Nicht eine Krise der Fettleibigkeit, sondern eine Krise der Verletzung der Menschenrechte. (...)“

 

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