Diätologen erkennen: Dick ist nicht per se ungesund

Copyright: fotodienst.at/S. Renlom
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Wien (pte022/07.03.2013/13:55) - "Die Hauptursache für Übergewicht ist Stress - nicht die Ernährung", sagt der deutsche Adipositas-Spezialist Achim Peters in Wien anlässlich des 30. Ernährungskongresses vom Verband der Diaetologen Österreichs. Weil man neben dem bisherigen "BMI"-Maß auch den Faktor Stress mit zu berücksichtigen hat, so der Professor der Universität Lübeck, würden dicke Menschen länger leben als dünne. Zu bezahlen sei dies jedoch mit einer eingeschränkten Beweglichkeit.

Diskriminierung beenden

"Niemand ist an seinem Übergewicht schuld", meint Peters. Dicke Menschen seien nicht generell willensschwach und würden auch im Berufsleben zu Unrecht diskriminiert. Schuld an deren Misere sei laut Peters vielmehr der Egoismus des Gehirns, das sich bei Hunger "mittels Ampelschalter" durch einen eigenen Ernährungskreislauf zu schützen versucht. Ernährung verlaufe nicht via Einbahnstraße, sondern weise auch einen "Brain Pull" auf. Laut Peters ging man bislang von nur einem Ernährungskreislauf und einer passiven Versorgung des Gehirns aus.

"Dicke Menschen essen sehr wohl bedarfsgerecht und nicht zu viel", so der Adipositas-Experte, jedoch könnte die Ernährung des Gehirns beeinträchtigt sein. Dies fände dann auch im Erscheinungsbild des Menschen seinen Ausdruck, wobei Peters die Typen A und B kreiert hat. Typ A verliert durch Stress an Gewicht, entwickelt dafür aber ein "ordentliches Bäuchlein". Typ B hingegen könne den Stresspegel allmählich herunterfahren, werde aber in Summe dicker. Beide Typen seien genetisch bedingt und auch in der Bevölkerung der Zahl nach verteilt.

 

Gesunde Adipositas existent

"Man darf gestresste Dicke nicht mit entspannten Dünnen vergleichen", betont Peters, was jedoch bei einer alleinigen Analyse mittels BMI der Fall sei. Als größten Stressfaktor diagnostiziert Peters die Einkommensungleichheit in der Gesellschaft. "Raus aus dem Haifischbecken" lautet daher sein Erfolgsrezept gegen Stress und damit Adipositas oder zumindest gehe es darum, durch Anti-Stresstherapien "die Haifische zu vertreiben". Gelinge keines von beiden, so sei der dünne Typ A schlimmer dran als der dicke Typ B mit seinem stabilen Gehirnstoffwechsel.

"Gesunde Adipositas gibt es", versichert auch Daniel Weghuber vom Salzburger Universitätsklinikum. Es gebe viele dicke Menschen, die auch gesund seien. 

 

Quelle: http://www.pressetext.com/news/20130307022

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