Schlafstörungen

Foto: G. Enders
Foto: G. Enders

Das Bett – es kann ein geschützter Zufluchtsort vor den Prüfungen des Lebens sein, stellvertretend für alles, was friedlich und sicher ist. Es kann ein Spielplatz, ein Ort der Phantasien, der Liebe und Träume sein. Für manche kann es aber leider auch ein Ort der Sinnesberaubung sein, wo alle bösen Geister sie mit dem Nachdenken quälen, darüber, was ihnen fehlt und was hätte sein können. 

 

Egal, wie wir diesen Ort erleben: wir verbringen in ihm fast ein Drittel unseres Lebens, das Bett stellt entsprechend einen wichtigen Ort für uns da. Hier einige Tipps, um unsere Schlafenszeit erholsam und erfrischend zu erleben: 

Was wird als eine normale Menge an Schlaf angesehen? Manche Menschen benötigen sehr wenig. Einstein schlief nur ein paar Stunden pro Nacht. Die moderne Forschung besagt, daß sechs bis acht Stunden Schlaf optimal für die meisten Menschen ist. Der Körper, einschließlich des Gehirns, braucht Zeit, um sich zu erholen. Sehr viele Menschen leiden an irgendeiner Art von Schlafstörung. Aus unbekannten Gründen betrifft es Frauen etwas mehr als Männer.

 

Schlaf geschieht in verschiedenen Stadien. Ein großes Augenmerk der Wissenschaft wird auf das sogenannte „rapid-eye-movement“-Stadium (REM genannt) gelegt. Obwohl Träume ewig zu dauern scheinen, kommen sie in Wirklichkeit während ungefähr sieben Phasen in einer Nacht vor, von denen jede nur ein paar Minuten dauert. Beim REM ist das Gehirn in einer sehr tiefen Form des Schlafes, in der viele Bereiche ruhen und ihre Energie wieder auffüllen. Andere Bereiche, wie die Zentren von Erinnerung und Phantasie, sind damit beschäftigt, Träume zu erzeugen. Niemand ist sich sicher über den Zweck von Träumen. Vielleicht sind sie eine Form des geistigen Trainings, das uns für die Herausforderungen des täglichen Lebens einstimmt. Das Gehirn ist wie ein starker Computer, mit Billionen von Drähten, die über chemikalische „Boten“ miteinander kommunizieren. Wenn etwas mit dem chemikalischen Gleichgewicht falsch läuft, können manche der Drähte fehlzünden, langsamer werden oder gar nicht zünden. Wenn wir älter werden, verringern sich die chemikalischen „Boten“ und der REM-Schlaf vermindert sich. Ältere Menschen schlafen oft schlecht, brauchen länger, um einzuschlafen, und wachen häufiger auf.

 

Es gibt aber auch andere Umstände, die einen am Schlaf hindern können. Das „Rastloses-Bein-Syndrom“ mag sich für Rockstars ansprechend anhören, aber für andere macht es das Einschlafen problematisch. Die Beine fühlen sich unangenehm, kribbelnd oder gereizt an, und nur Bewegung bietet eine Erleichterung. Ein Partner im Bett beklagt sich möglicherweise darüber, getreten zu werden. Der Grund ist unbekannt, aber das Vermeiden von schweren Mahlzeiten, Zucker oder anderen Genußmitteln vor der Schlafenszeit hilft. Bestimmte Antidepressiva und Medikamente für Psychosen können die Beine ruhelos machen und bedürfen der beaufsichtigten Anordnung oder müssen abgesetzt werden.

 

Die bei weitem gängigste Ursache von Schlaflosigkeit hat mit der Schwierigkeit zu tun, die Gedanken nicht abschalten zu können. Das Nachdenken über eine bestimmte Situation kann zu einem Teufelskreis aus Sorgen, Schlaflosigkeit, Sorge über die Schlaflosigkeit usw. werden. Entspannungstechniken zu lernen oder emotionale Unterstützung zu bekommen, kann ein großer Schritt zur Lösung dieses Problems sein. Frühes Aufwachen mit der Unfähigkeit, wieder einzuschlafen, ist eines der üblichsten Zeichen von Überforderung oder Depression. Wenn man sich selbst im Bett wiederfindet, ärgerlich darüber, wie die Dinge so laufen, voll von Selbsthaß und Bitterkeit oder mit dem Gefühl, den Aufgaben des täglichen Lebens nicht mehr begegnen zu wollen, dann bedeutet das, daß man Hilfe braucht.

 

Schnarchen und Schlafatemnot sind häufig mit Körperfett verbunden. Die Zunge und der Gaumen im Hals können dick werden und die Luftzufuhr behindern. Wenn man einschläft, entspannen sich alle Muskeln im Hals, die normalerweise gespannt bleiben, und ermöglichen so in diesem Bereich zusammenzufallen; das Gewebe verschließt die Öffnung teilweise oder zeitweise ganz. Während die Luft ein- und ausgesogen wird, vibriert sie gegen eine schmalere Öffnung und erzeugt so Schnarchen und Pfeifgeräusche. Bei der Schlafatemnot kann manchmal die Atmung für einen Moment stoppen, worauf ein plötzliches Schnaufen und Blubbern folgt, wenn die Atmung wieder aufgenommen wird. Der daraus resultierende Mangel an Sauerstoff kann eine Belastung für das Herz sein und den Blutdruck erhöhen. Menschen, die unter Schlafatemnot leiden, wachen häufig mehrmals in der Nacht auf und fühlen sich am Morgen des Schlafes beraubt oder haben klopfende Kopfschmerzen. Häufig kommt unkontrollierbares Dösen während des Tages vor. Glücklicherweise gibt es Behandlungen, z.B. Gesichts- oder Nasenmasken, die die Atemwege während des Schlafs durch ständiges Zurückpressen der Luft offen halten.

Die traditionelle Therapie beinhaltet das Absetzen aller Medikamente, wodurch die Atmung verbessert werden kann, und den Rat, „abzunehmen“. Aufgeklärte Ärzte werden sagen, daß man nicht große Mengen an Gewicht verlieren muß, ein Paar Pfund machen oft einen großen Unterschied. Eine Operation, bei der einige der behindernden Gewebe entfernt werden, kann in einigen Fällen ratsam sein.

 

Um herauszufinden, welches Schlafproblem zutreffend ist, begeben sich Patienten am besten in ein Schlaflabor. Die Ärztinnen und Techniker überwachen hier das Schlafverhalten über Nacht. Sie messen Hirnströme, um zu sehen, ob die richtige Mischung von REM und anderen Stadien durchlaufen wird. Blutdruck und Sauerstoff, ebenso wie der regelmäßige Herzschlag, werden auf Abweichungen, die mit Schnarchen und Schlafatemnot verbunden sind, beobachtet.

 

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung ist Alkohol kein gutes Schlafmittel. Es stimmt, daß er zuerst eine beruhigende Wirkung hat, aber wenn er sich verliert, sind die „Drähte“ nervös. Diese Störung ändert die Zyklen des REM. Das Aufwachen kann sehr schmerzhaft sein, mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Schütteln. Auch Koffein, Nikotin oder nächtliche Kühlschrankplünderungen, helfen meist nicht, um zu neuem Schlaf zu verhelfen. Alle diese Dinge sind Genußmittel, die das Schlafen noch schwieriger machen. Bei den meisten helfen Beruhigungsmittel und Schlafmittel nur auf kurze Sicht. Valium und seine Verwandten sind unter den meist verkauften Drogen/Medikamenten in der Welt und das mit gutem Grund – sie tendieren dazu, den Körper an sie zu gewöhnen. Das Problem prallt zurück, wenn das Medikament abgesetzt wird, ist die Schlaflosigkeit schlimmer.

 

Wahrscheinlich ist die beste Methode allmähliche Schlafeinschränkung. Denn viele Menschen gehen ins Bett, bevor sie dazu bereit sind. Sie hatten vielleicht ein oder mehrere Schläfchen während des Tages, welche den natürlichen Schlafrhythmus verändert haben. Sie sollten versuchen, Schläfchen während des Tages zu vermeiden und die Stunden des Aufwachens anzupassen. Wenn Sie normalerweise um 8.00 Uhr aufstehen, dann probieren Sie es eine halbe Stunde früher. Der Körper wird dann mehr auf den Schlaf in der Nacht vorbereitet sein. Versuchen Sie nicht, Ihre Schlafenszeit zu erzwingen; wenn Sie für ein paar Nächte wach bleiben, wird das nicht schaden. Die Müdigkeit wird schließlich einsetzen und Sie werden bald in einer zeitigeren Art und Weise einschlafen. Denken Sie daran, daß das Bett nur zum Schlafen da ist, abgesehen von der  intimen „Erholung“. Im Bett zu liegen und fern zu sehen ist kein gutes Schlafmittel. Gehen Sie nur dann ins Bett, wenn es Zeit zum Schlafen ist. Wenn Sie immer noch Probleme mit dem Schlafen haben, stehen Sie auf und gehen Sie spazieren. Etwas Bewegung vor dem Schlafengehen kann die Absonderung von Endorphinen, des Körpers natürliche Narkotika, anregen. Das Wort „narkotisch“ bedeutet schlaffördernd. Ebenso neigen die Muskeln nach etwas Bewegung dazu, sich zu entspannen. Manchmal scheint gar nichts zu wirken. Dies gilt besonders für die sogenannten „Nachteulen“. Die Forscher wissen, daß die innere Schlaf-Uhr der Menschen variiert. Manche Menschen neigen von Natur aus dazu, später einzuschlafen und aufzustehen. Die davon betroffen sind, sollten nach und nach ihr Leben und ihre Art der Arbeit entsprechend anpassen. Allmähliche Anpassung des Lebensstils in dieser Situation, einschließlich die Lärmgewohnheiten der Familie, ist ein Teil der Chronotherapie (chronos= Uhr) und erfordert manchmal professionelle Hilfe.

 

Schließlich gibt es, sagen wir, weniger orthodoxe Methoden der Schlaftherapie. Warum sollte man nicht Selbsthypnose ausprobieren? Viele alternative Gesundheitsexperten sind in klinischer Hypnose ausgebildet. Hypnose bedeutet immerhin „Schlaf herbeiführen“. Probieren Sie doch einen Kurs in Selbsthypnose und/oder anderen Entspannungstechniken aus. Dicksein bedeutet nicht, daß Sie nicht alle Annehmlichkeiten des Lebens genießen können, einschließlich eines verjüngenden Schlafes.

 

Von Dr. Moe Lerner aus den USA. Übersetzung: Doris Wagner, Gisela Enders und Kathrein Bliersbach

Kommentar schreiben

Kommentare: 0