Krampfadern und verwandte Probleme

Warum schwellen unsere Beine an, schmerzen und werden oft rot und wund? Es gibt eine ganze Zahl von Umständen, die wichtigsten Beschwerden sollen hier genauer vorgestellt werden. Ob sie dick oder dünn sind, 40% aller Frauen leiden ab einem gewissen Zeitpunkt unter Krampfadern. Das Herz ist eine starke Pumpe, die Sauerstoff-reiches Blut in die Gewebe treibt. Doch wenn der Sauerstoff erstmal verbraucht ist, müssen die Adern allein das Blut zum Herzen und zu den Lungen zurücktransportieren. 

Um gegen die Schwerkraft anzukämpfen, d.h. das Blut aus den Füßen zu bekommen, benutzen die Adern der Beine ein schlaues System von „Ein-Weg-Klappen“, so wie eine altmodische Handpumpe. 

Wenn wir gehen, schwellen unsere Beinmuskeln ruckweise an und pressen das Blut in den Adern aufwärts. Zwischen den Schritten, wenn die Muskeln entspannen, würden wir erwarten, daß das Blut einfach wieder zurück nach unten fällt, aber die „Ein-Weg-Klappen“ schließen sich und verhindern dies. Bei Menschen, die lange Zeiten stehen, oder einen eher sitzenden Lebensstil haben, tendiert das Blut dazu, in den Adern der Beine zu bleiben, wo es solange anschwillt, bis die kleinen Klappen so überdehnt werden, daß das Blut beginnt, zurück zu sickern. Die verschlissenen, überdehnten Adern und Klappen werden schließlich zu bleibenden Krampfaderngeschwulsten. Der Begriff bezieht sich gewöhnlich auf sichtbar überfüllte und verkrümmte Adern. Weil das Blut wegen der Schwerkraft in den Krampfadern stockt, ist nur wenig frischer Sauerstoff da, um die Gewebe zu nähren. Die Haut und die Muskeln können anfangen, krank zu werden. Gefühle von Schwere, Jucken und Wundsein sind des Körpers Mittel zu versuchen, den Betroffenen anzuregen, sich zu bewegen und den Kreislauf zu verbessern. Einige fühlen sich gequält durch das, was sie für eine häßliche Erscheinung von schlangenähnlichen blauen Adern auf den Beinen halten. Andere fürchten die mögliche Entwicklung von Blutklümpchen, die aufbrechen und zum Herzen oder Gehirn gelangen könnten. Blutklümpchen sind jedoch nur dann Grund zur Besorgnis, wenn die Adern tief im Bein davon betroffen sind. 

Krampfadern sind besorgniserregender nach langen Stunden des Stehens, wenn das Blut beginnt, sich zu sammeln. Menschen, die schwer heben, sehr dick oder schwanger sind, oder sogar die, die unter chronischer Verstopfung leiden, üben einen wesentlichen Abwärts-Druck auf die Adern aus. Das Pressen während des Stuhlgangs zum Beispiel (sich nach vorn beugen, stöhnen usw.) neigt dazu, das Blut zurück in die Adern zu drängen. Bei sehr dicken Menschen trägt eine Anzahl von anderen Faktoren dazu bei, daß die Beine sogar noch mehr anschwellen. Wenn wir älter werden und unser Herz „Überstunden“ macht, um das Blut durch einen größeren Körper zu pumpen, kann es anfangen, schwächer zu werden. Das Blut bewegt sich zurück und die Flüssigkeit verursacht geschwollene Knöchel und Füße. Sie haben vielleicht schon mal einen einschneidenden Ring bemerkt, dort wo Socken und Schuhe anlagen. Besonders nach einem langen heißen Tag kann dies auftreten. Wenn die Schwellung derart ist, daß sie einen teigigen Fingerabdruck auf Ihrer Haut hinterläßt, kann dies ein Fall von leichten Herzproblemen bedeuten. Diese Schwellung, verbunden mit von Natur aus dickeren Beinen, führt zu einer Dehnung der Haut. Wenn die Haut an den Schienbeinen glänzend ist und juckt, oder besonders, wenn sie rot und warm ist, ist möglicherweise eine Infektion im Anzug. Bakterien lieben es, sich in gedehnten und geschwollenen Geweben schnell zu vermehren. Wenn dies nicht behandelt wird, kann die Haut sogar wunde Stellen oder Geschwüre bekommen, besonders wenn Sie Diabetikerin sind.

 

Es hört sich schon schrecklich an – muß aber nicht dazu kommen! Bei den meisten Krampfadern hilft eine herkömmliche nicht-operative Behandlung. Wenn ein Verstopfungs­problem vorhanden ist, fügen Sie Fasern, z.B. Kleie zur Ernährung zu. Pressen Sie nicht beim Stuhlgang, sondern lassen Sie es die Natur langsam und leicht machen. Kaltwasser-Bäder lassen pulsierende Blutgefäße schrumpfen. Stützstrumpfhosen oder -strümpfe helfen das Blut aufwärts zu pressen und verhindern das schmerzvolle Anschwellen von Knöcheln und Füßen. Diese sollten genau angepaßt werden, und sie sollten niemals nachts im Bett getragen werden. Wenn Sie längere Zeiten stehen müssen, achten sie trotzdem auf Bewegung. Gehen Sie von Zeit zu Zeit ein bißchen hin und her, um die Blutzirkulation anzuregen, und erhöhen Sie die Beine, wann immer es möglich ist. Versuchen Sie sich eher zurückzulegen und die Beine auf einem Kissen hochzulegen, als nur mit gebeugten Beinen zu sitzen, was die Gefäße knickt und den Rückfluß zum Herzen verhindert. Vermeiden Sie enge Schuhe mit hohen Absätzen und bevorzugen Sie eher die bequemen Modelle. Mit diesen werden Sie mehr gehen und damit die Blutzirkulation wieder fördern. Kleine Spinnen-ähnliche Adern am Oberschenkel können oft mit einer Lösung gespritzt werden, die die Gefäße dauerhaft einfallen läßt, obwohl dies mehr ein kosmetisches Problem ist. Größere Adern werden oft vorsichtig herausgezogen, wie die Wurzeln einer Pflanze aus dem Boden. Neue oder normale Adern übernehmen es, das Blut zum Herzen zurück zu pumpen. Viele ÄrztInnen bevorzugen ein eher erhaltendes „Ziehen“ von nur einem Teil der Adern unter lokalem Einfrieren. Wenn die Haut an Ihren Beinen „fleischig“ rot wird, sich warm anfaßt oder kleine Geschwüre bildet, sollten Sie sich medizinisch untersuchen lassen. Antibiotika und spezielle antiseptische Cremes können die Infektion stoppen, wenn sie früh entdeckt wird.



Ein Text von Dr. Moe Lerner. Er war elf Jahre Direktor des Notdienstes des Seven Oaks Hospital in Winnipeg, Kanada. Er ist auch Professor an der Universität von Manitoba und Forscher. Als dicker Arzt vermittelt Dr. Lerner eine einmalige Sichtweise. 

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