Kinderfilme – leider ein Hort für stereotype dickenfeindliche Vorurteile

Um die Weihnachtsfeiertage war es wieder so weit. Im Fernsehen liefen all die Klassiker – die wir als Kinder bereits gerne gesehen haben. Und die auch heute noch viele Kinder mit Begeisterung schauen. 

In unserer Häusergemeinschaft wachsen drei Kinder auf, die meistens erleben, dass es normal ist, dass einige Menschen dünn sind und andere dick. Bewertende Einflüsse kommen nur von außen, aus Schule und Kindergarten – und wenn man sich die Filme, die sie schauen, mit dieser Brille anschaut: Massiv aus dem Fernsehen. 

In diesem Jahr waren es drei Filme, die mir besonders aufgefallen sind. Zum einen der Weihnachtsklassiker schlechthin: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Hier spielt das Thema weibliche Schönheit eine maßgebliche Rolle. Die „bösen“ Rollen, die Stiefmutter und die beiden Stiefschwestern sind allesamt dick –verbunden mit vielen unangenehmen Eigenschaften wie Habgier, Eitelkeit und auch ein bisschen Blödheit. Was bleibt da wohl bei den Kindern hängen? Schönheit ist schonmal nicht für dicke Frauen vorgesehen.

 

Weiter ging es mit Charly und die Schokoladenfabrik. Augustus ist ein dickes deutsches Kind mit dicker Mutter. Soweit so gut. Hier wird das Stereotyp des immer essenden Jungen vermittelt, Augustus frisst die Schokolade nur so.  Auch hier entsteht wieder ein unbewusstes Bild, welches längst von vielen Statistiken wiederlegt ist, sich aber in vielen Köpfen tapfer hält: Von nichts, kommt nichts.

 

Und auf Video haben wir uns dann noch einige Harry Potter Filme angeschaut. Muss ich die dickenfeindliche Darstellung hier überhaupt noch ausführen? Harry wächst als dünner Junge allein bei den Dursleys auf. Sie sind alle dick, gemein, verfressen und eignen sich perfekt in vielen Szenen für trotteliges Verhalten, wahlweise mit oder ohne Zaubertricks. 

 

Es gibt noch zahlreiche andere Kinderfilme, in denen dicke Menschen eher als Trottel, als Verfressen und als Anti-Charakter dargestellt werden. Und das wirklich traurige ist, dass zumindest unter den bekannten Mainstream-Filmen sich kein einziges Gegenteil findet.  Da setzt sich bei vielen Kindern im Unterbewusstsein ein bestimmtes Bild fest. Schwer, dieses in bewusster Bildungsarbeit oder auch nur mit ruhigen Erklärungen zu wiederlegen. Und logisch, dass dies auch bei den späteren Erwachsenen schwer ist. 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    Liane (Samstag, 25 Januar 2014 17:03)

    Auch in Kinder und Jugendbüchern ist es üblich Dicksein mit Negativität zu besetzen und die schlanke Figur der tollen Hauptfiguren immer wieder positiv zu beschreiben.
    Es wäre endlich mal dran Autoren und Buchverlage klar und deutlich auf diese Form von "Rassismus" hinzuweisen.
    Danke für eure Arbeit!!! Habe diese Seite gerade erst entdeckt und würde am liebesten gleich mal nach Berlin kommen. Ich habe eine 13jährige wunderschöne Tochter die eher rund und weich ist als eckig und hart. Sie ist 1,62 groß und wiegt 60 kg. Das ist heutzutage schon zu "fett". Die Beschimpfungen und Sprüche die sie jahrelang in der Schule zu hören bekam sind unglaublich gewesen und haben leider eine sehr nachhaltige Wirkung. Da wird eine Wunde geschlagen und bei jedem Film, beim Lesen eines Buches und in allen möglichen Situationen wird diese Wunde wieder aufgerissen. Und dieser Terror ist "normal" und ist vielen gar nicht bewußt.

  • #2

    Julia I. (Sonntag, 26 Januar 2014 01:14)

    Bitte, bitte . . . kann man die Kirche nicht schlicht und einfach mal im Dorf lassen?
    Ich gebe ganz offen zu, dass "Drei Nüsse für Aschenbrödel" ein Lieblingsfilm von mir ist, den ich (jetzt 52) mir in der Vorweihnachtszeit immer wieder gern ansehe, aber muss man immer und überall dickenfeindliche Tendenzen wittern? Ganz sicher gibt es viele Kinder- und Jugendbücher und -filme, die diese Vorurteile "dünn = gut, dick = böse" bedienen, aber gerade die drei genannten Beispiele kann man meiner Meinung nach nun NICHT unbedingt dazu rechnen, da sowohl der Märchenfilm wie auch die Harry Potter-Filme auch durchaus dicke POSITIVE Figuren präsentieren (im Märchen der Knecht, der die Nüsse mitbringt, die Köchin und der Küchenjunge, außerdem ist die EINE Stiefschwester eine durchaus schlanke junge Frau, sie hat nur ein etwas rundes Gesicht; in H.P. z. B Hagrid und Mrs Weasley und - Harrys Tante ist sowohl in den Büchern wie auch im Film eher hager!) und in "Charly und die Schokoladenfabrik" sind die schlanken (und z.T. sportlichen!) Kinder um keinen Deut besser als der dicke Junge und bei den Eltern der Kinder sieht es genauso aus. Es gibt sicher Filme, über die man sich in der Beziehung aufregen kann, aber die drei genannten Beispiele kann ich echt nicht nachvollziehen!
    Wichtiger als das Thema Filme fände ich es, sich gegen den alltäglichen Schlankheitsterror in Schulen und Kindergärten zu wenden, wo "Ernährungslehre" jetzt schon fast auf dem Lehrplan steht und den Kindern das unbefangene Essen bis zur Sättigung vermiest wird und dadurch Essstörungen Vorschub geleistet wird!

  • #3

    Dani (Montag, 24 Februar 2014 18:01)

    Guter Text!

    Kleine Ergänzung : Bei Aschenbrödel wird nicht nur durch die Stiefschwestern und die Stiefmutter ein negatives Dickenbild gezeigt, sondern auch durch eine dicke Frau, die den Prinzen zum Tanz auffordert. Der Prinz tanzt dann notgedrungen mit ihr und seine Eltern wundern sich über den "Geschmack" des Prinzen. Muss wirklich nicht sein...

  • #4

    Chiyo (Sonntag, 02 März 2014 22:16)

    Ich kann mich Julia I. nur anschließen - und muss gleichzeit noch mal eine Lanze für "Harry Potter" brechen. Die Figuren lassen sich weder nach dem Aussehen in gut und böse einteilen, noch finden sich andere heikle Thematiken. Soweit ich mich entsinnen kann, herrschte in Hogwarts keine Gewichtsdiskriminierung, es wurden anstelle von Zaubertränken keine Diätdrinks gemixt, und zu Essen gab es immer reichlich. Ich glaube auch, Molly Weasley und Hagrid haben niemals über ihr Gewicht gejammert - falls doch, habe ich es glatt überlesen. Und wenn man schlussendlich mal aufsummiert, waren die meisten Bösewichte eher schlank bis mager. Auch dass Dudley Dursley im Verlauf der Buchreihe auf Diät gesetzt wird, weil er nicht mehr in seine Schuluniform passt, halte ich nicht wirklich für diskriminierend. Schließlich ist Dudley niemand, der wegen seines Gewichts gehänselt oder ausgegrenzt wird und daher Mitleid erregen könnte. Er ist eher so eine typische Figur, bei der man sich insgeheim freut, wenn er auch mal was auf den Deckel bekommt. Dabei spielt sein Gewicht aber eigentlich eine eher untergeordnete Rolle, finde ich. Außerdem wird Dudley nach seiner Diät sogar noch unangenehmer, nachdem er über die Sommerferien zum Muskelprotz mutiert ist.
    Fazit: Nur weil auch mal eine korpulente Phantasiegestalt negativ besetzt ist, muss nicht automatisch von Gewichtsdiskriminierung gesprochen werden. Einzig zu bemängeln ist, dass in vielen Fällen, sobald eine Figur dick ist, ihr Gewicht thematisiert wird, oder ihr daraus Nachteile entstehen. Doch anstatt sich nur auf Negativbeispiele zu konzentrieren, sollte man vielleicht auch mal nach Büchern oder Filmen Ausschau halten, wo dies nicht der Fall ist.

  • #5

    Gisela (Montag, 14 April 2014 13:02)

    Hier noch ein Link zu einem Film aus den USA - der in dieselbe Richtung wie unsere These geht:
    http://www.fattitudethemovie.com/

    Viele Grüße
    Gisela