Gesundheit und Gewicht im Alter

Jeder, ob dick oder dünn, tendiert dazu, mit zunehmendem Alter mehr an Gewicht zuzunehmen. Bei Frauen im Alter von Anfang zwanzig ist nur eine von zehn nach den Normen der Versicherungstabellen „übergewichtig“. Bei Frauen im Alter von über 40 ist es jede Dritte. 

In Bezug auf die körperliche Gesundheit sind dicke Menschen im Vergleich zu Menschen mit durchschnittlichem Gewicht in den reiferen Lebensjahren besser dran.

Grundsätzlich ist es bei älteren Menschen interessant, zu schauen, ob sie bereits in der Kindheit dicker waren oder erst im Laufe des Lebens an Gewicht zugenommen haben. Denn Menschen, die als Kinder eigentlich dünn waren und im Laufe des Lebens dick wurden, haben tendentiell mehr gesundheitliche Probleme. Die beste Erklärung dafür ist, daß manche Menschen sozusagen biologisch programmiert sind, dick zu werden. Diese Menschen, die „dazu geboren sind, dick zu sein“, haben gewöhnlich einen guten Gesundheitszustand, trotz ihres Gewichts. Das andere Extrem sind Menschen, die „dazu geboren sind, dünn zu sein“, die möglicherweise als Kinder untergewichtig waren, aber als Reaktion auf Streß oder durch ihre Lebensweise zugenommen haben. Diese „dicken dünnen Menschen“ haben wie gesagt tendentiell mehr gesundheitliche Probleme.

 

Interessanterweise gibt es nach wie vor wenige Erkenntnisse darüber, wie Gewichtszunahme zustande kommt und wie Veränderungen gesteuert werden. Das biologische Programmieren der Gewichtszunahme geschieht vermutlich zu verschiedenen Zeiten des Lebenszyklus. Die Hauptphase ist während der Kindheit und der Pubertät, zu der die meisten von Natur aus dicken Menschen zumindest ein bißchen rundlich geworden sind. Schwangerschaft ist ebenso bei den meisten Frauen mit einer programmierten Gewichtszunahme verbunden. Schließlich gibt es noch die natürliche Tendenz zuzunehmen, wenn wir älter werden, besonders zwischen vierzig und sechzig. Mit etwa sechzig Jahren beginnen die Menschen wieder abzunehmen, möglicherweise als Teil des Alterungsprozesses. Dr. Reubin Andres von dem National-Institut für Altersforschung (USA) kommt zu dem Schluß, daß eine mäßige Gewichtszunahme während der Reife nicht nur natürlich, sondern auch der Gesundheit zuträglich ist. Er fand heraus, daß das optimale Gewicht für Langlebigkeit sich ab einem Alter von vierzig erhöht. Anscheinend sind ältere Menschen besser dran, wenn sie wenigstens ein bißchen dicker sind, als das von den Versicherungstabellen „erlaubte“ Gewicht. Obwohl dick sein nicht besonders ungünstig für Kinder oder reife Erwachsene zu sein scheint, haben dicke junge Erwachsene größere Gesundheitsrisiken als gleichaltrige Schlanke. In dem Alter zwischen zwanzig und vierzig weisen dicke Menschen häufiger einen hohen Blutdruck und hohe Cholesterinwerte auf. Ab vierzig verringert sich diese Ungleichheit, in dem dicke Menschen ein relativ normales Risiko haben, diese Probleme zu bekommen.

 

Warum sind die Jahre als junge Erwachsene tendentiell gesundheitlich gefährlich für dicke Menschen? Dies könnte daran liegen, daß Dicksein und schlechte Gesundheit bei den 20-40jährigen in Relation steht, weil dies die Zeit des Lebens ist, in der dicke Menschen höchstwahrscheinlich mit Mode- und Crash-Diäten experimentieren und das Jo-Jo-Hoch-und-Runter beim Gewicht erleben. Außerdem spielt in dieser Zeit Streß oft eine große Rolle, die zumindest erhöhten Blutdruck hervorrufen kann. Mit vierzig hat sich die Frau oft in ihre Rolle im Leben eingeordnet und strebt nicht mehr länger danach, sich selbst umzuformen. In der Regel sind es die jungen Erwachsenen, die Diätpillen nehmen, Flüssigdiäten durchführen, ihre Mägen kleiner machen lassen, unausgewogene Modediäten probieren und dem Jo-Jo-Effekt von Gewichtsverlust und erneuter Zunahme folgen. Wahrscheinlich spiegelt der schlechte Gesundheitszustand, der bei jüngeren dicken Menschen beobachtet wird, den Tribut dieser unsicheren Gewichtsverlust-Methoden wider. Ganz zu schweigen von der psychischen Belastung, die einhergeht mit dem Kampf gegen den eigenen Körper und das eigene Gewicht. 

 

Die Wechseljahre sind ein wichtiger Meilenstein für Frauen über vierzig. Dickere Frauen gehen ungefähr zwei Jahre später durch das Klimakterium als dünne Frauen. Sie leiden seltener unter den bekannten Symptomen wie Hitzewellen, Depressionen und so weiter. Je dicker eine Frau ist, desto mehr Östrogen kann sie produzieren. Östrogen und Progesteron sind die zwei wichtigen weiblichen Sexualhormone. Ersteres wird von den Fettzellen hergestellt; und je mehr Fettzellen eine Frau hat, desto größer ist die Menge des produzierten Östrogen. Das meiste Östrogen wird von den Eierstöcken produziert. Während dem Klimakterium hören die Eierstöcke auf, Östrogen zu produzieren. Die daraus resultierende Senkung des Östrogen-Levels ist die Ursache für viele der unangenehmen Symptome. Entsprechend verschreiben Ärzte den Frauen Östrogen-Medikamente, um die Symptome zu lindern. Dicke Frauen bedürfen selten dieser Behandlung, weil ihre Fettzellen eine reichliche Quelle von Östrogen sind. Dieses zusätzliche Östrogen verzögert das Klimakterium. Dicke Frauen altern wahrscheinlich langsamer als dünne Frauen, weil Östrogen helfen kann, einen jugendlichen Zustand zu erhalten. Zum Beispiel haben ältere runde Frauen oft weniger Falten und eine jugendlichere Haut.

 

Nach den Wechseljahren stehen Frauen neuen gesundheitlichen Beschwerden gegenüber. Eine ist Osteoporose, eine ernste und häufige Krankheit, die verursacht, daß die Knochen zerfressen und spröde werden. Eine Hüftfraktur ist die schwerwiegendste Konsequenz; eine große Behinderung im Alter und eine nicht zu verachtende Todesursache. Brüche der Wirbelsäule sind ebenfalls sehr gefährlich. Obwohl man davon ausgeht, daß Calcium in der Ernährung eine Rolle bezüglich Osteoporose spielt, liegt die größere Ursache in einem Mangel an Östrogenen. Der Krankheitsverlauf beginnt charakteristisch direkt nach der Menopause, wenn der Östrogen-Level fällt. Dicke Frauen haben eine wesentlich geringere Wahrscheinlichkeit, Osteoporose zu entwickeln. Eine Hüftfraktur zu erleben, liegt bei einer Frau mit durchschnittlichem Gewicht zweieinhalb mal höher als bei einer dicken Frau.

 

Bei Männern, genauso wie bei Frauen, nehmen die gesundheitlichen Probleme, die mit Dicksein verbunden sind, mit zunehmendem Alter ab. Dennoch ist die relative Schädlichkeit von übermäßigem Gewicht bei Männern größer als bei Frauen, und das in jeder Altersgruppe. Dies kommt zum Teil dadurch, daß die eher gewöhnlichen Krankheiten wie Herzprobleme und hoher Blutdruck, vorrangig männliche Krankheiten sind. Hormonelle Unterschiede spielen da zweifellos eine große Rolle. Männer mit einer charakteristischen männlichen Verteilung der Fettdepots, die sich an dem typischen „Bierbauch“ und um die Schulterblattgegend konzentrieren, haben ein wesentlich höheres Herzkrankheitsrisiko als Männer mit durchschnittlichem Gewicht. Männer mit einer eher weiblichen Verteilung der Fettdepots, konzentriert an Hüften und Oberschenkeln, haben ein wesentlich niedrigeres Risiko, näher an dem der Frauen. Umgekehrt haben Frauen mit einem „Bierbauch“ ein viel größeres Risiko als Frauen, deren Fett sich im unteren Körperbereich konzentriert. Mit anderen Worten, die Körperstatur kann wichtiger sein als das Geschlecht, und Männer und Frauen mit einer eher maskulinen Statur haben ein höheres Gesundheitsrisiko. Interessanterweise sind Menschen mit einer maskulin-typischen Fettverteilung gewöhnlich nur ein bißchen schwer. Menschen mit einer eher femininen Form des Dickseins sind oft seit der Kindheit dick und tendieren dazu, deutlich schwerer zu sein. Das Gewicht eines Menschen kann seine/ihre Sexualhormone beeinflussen, aber Sexualhormone ihrerseits können das Dicksein regulieren. Zum Beispiel fördern männliche Sexualhormone Depots in Oberschenkeln und Hüften. Weibliche Hormone fördern ebenso die Gewichtszunahme im allgemeinen. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum Frauen dazu tendieren, um die Zeit einer Geburt zuzunehmen, wenn viele hormonelle Veränderungen auftreten. Dies ist ebenfalls der Grund, warum die Anti-Baby-Pille eine Gewichtszunahme verursachen kann. Es gibt viele Wechselbeziehungen zwischen Gewicht, Hormonen und dem Alterungsprozess. Wenn ein dicker Mensch gut informiert ist, angemessene medizinische Vorsorgeleistungen erhält und einen gesunden Lebensstil führt, gibt es keinen Grund dafür, warum die Jahre nach dem 40. Lebensjahr nicht glücklich, gesund und ergiebig sein sollen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Petra (Samstag, 19 Juli 2014 16:42)

    Vielen Dank für die tollen Hinweise. einige kann ich nur bestätigen. Zum Beispiel die Wechseljahre habe ich ganz gut und ohne massiven Probleme überstanden - meinem Gewicht sei Dank. Im Laufe meines Lebens habe ich mich auch so angenommen, wie ich eben bin und fühle mich in mir und mit mir ganz wohl.
    Um immer gut informiert zu sein, nehme ich an fast allen Vorosrgeuntersuchungen teil. Dies wird außerdem ncoh ein wenig von maeiner Krankenkasse honoriert.
    Ich wünsche allen noch einen schönen Sommer.