Behindert und dick

Macht es einen Unterschied in der eigenen und in der Wahrnehmung unserer Mitmenschen, ob man dick oder behindert ist? Wie ist dies bei einem Menschen, der beides ist. Im Rahmen des Projektes Gut so! ist dieser Frage Gisela Enders nachgegangen und hat sich mit Christine getroffen, einer agilen dicken Frau mit einer Beinamputation.

G: Christine, schön, dass Du bereit bist, mit mir über Dich und Deinen Körper zu reden.  Gibt es für Dich einen Unterschied zwischen Deiner körperliche Behinderung und dem vermeintlichen Makel dick zu sein.

 

Christine: Eigentlich nicht. Ich war schon immer dick, damit habe ich schon immer einer Randgruppe angehört. Als ich vor knapp 10 Jahren mein Bein verloren habe, musste ich die ersten Monate im Rollstuhl sitzen. Damit war ich dann plötzlich in einer 2. Randgruppe. Als dicker Mensch ist man ein präsenter Mensch, das die Menschen mich anstarren und neugierig oder verschämt schauen, dass war ich bereits gewohnt. Wenn man im Rollstuhl sitzt, ist man genauso präsent – und die Leute schauen. Für mich also kein großer Unterschied in der Wahrnehmung nach außen. Ich halte es wie immer: Manchmal einfach zurück starren, dass ist den meisten Menschen dann doch unangenehm und sie hören auf. 

Schwieriger in der Außenwahrnehmung wurde es erst mit der Prothese. Seit ich sie habe, sieht man mir nicht merklich an, dass ich gehbehindert bin. Ich bin schon schwer beschimpft worden, wenn ich mich im Supermarkt auf den Behindertenparkplatz stelle oder ich erlebe empörte Blicke, wenn ich im Bus meinen Ausweis zücke und mich auf den Behindertensitzplatz setze.  Da scheint es die Assoziation zu geben, die ist dick (und somit selbst schuld dran) und braucht doch nicht auch noch einen besonderen Parkplatz oder einen Sitzplatz im Bus. Einmal habe ich, als eine Frau mich an einem Parkplatz anfuhr „Kann man jetzt als Fetter schon auf dem Behindertenparkplatz parken?“ , meinen Rock gehoben, die Prothese kurz gelockert und sichtbar gemacht und sie zurückgefragt „Ist Ihnen das behindert genug?“. Sie ist mit hochrotem Kopf davongezogen. Und eine andere Frau fragte mich mal durchs Fenster, als ich auf einem Behindertenparkplatz eines gut besuchten Supermarktes einbog „ Sie sehen gar nicht behindert aus!“. Da habe ich zurück gefragt, wie man den aussieht, wenn man behindert ist. Die hat sich dann entschuldigt, weil ihr selbst klar wurde, dass die Frage ein bisschen blöd war. Na, wenigstens eine Einsicht.

 

G: Wie denkt denn die Gesellschaft so allgemein, wie man behindert ist.

 

Christine: Na, wenn Du im Rollstuhl sitzt, dann bist Du sichtbar behindert. Sichtbare Behinderungen werden eindeutiger wahrgenommen – hier ist die Bereitschaft zur Hilfe – ob nun willkommen oder nicht – oft vorhanden. Nicht sichtbare Behinderungen oder Einschränkungen müssen erst „entdeckt“ werden. Dicksein ist in der gesellschaftlichen Wahrnehmung keine Behinderung, vielleicht eine Einschränkung, aber keine Behinderung. Die Frage der Schuld (dick = selbst verschuldet – behindert = unverschuldet) spielt offenbar eine große Rolle, so dass die Vorstellung, dass auch dicke Menschen gehandicaped sein können und Hilfe benötigen, oft fehlt. Die meisten Menschen bringen Übergewicht und Behinderung oft nicht zueinander. Hilfe ist da meist nicht zu erwarten.

 

G: Die aber auch – da es keinen Behindertenausweis für dicke Menschen gibt – nicht vorgesehen ist.

 

Christine: Ja, diese Diskussion ploppt ja immer mal wieder auf. Ich kann ihr immer nur schwer folgen, weil ich viele Argumente, die vor Abwertung und Respektlosigkeit gegenüber dicken Menschen nur so triefen, nicht mehr lesen mag. Grundsätzlich fände ich es gut, wenn ab einem bestimmten BMI, Gewicht als ein möglicher Behinderungsgrund in den Katalog der anerkannten Behinderungen aufgenommen würde. Nicht weil Gewicht per se eine Behinderung ist, sondern weil sie es sein kann und es betroffenen Menschen ohne zeit- und nervenraubenden Kampf möglich wäre, eine bessere Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Wenn Adipositas im Katalog der Behinderungen aufgenommen wird, heißt das ja nicht, dass ich damit automatisch behindert bin, sondern dass ich den Antrag beim Versorgungsamt stellen kann, wenn ich Hilfe und Unterstützung brauche. Auch jetzt gibt es für niemanden eine Pflicht, sich mit entsprechender Einschränkung einen Schwerbehinderten-Status anerkennen zulassen. Es bleibt auch jetzt schon jedem überlassen zu entscheiden, ob man diesen Status haben möchte. Ich finde diesen Ansatz gut, weil er nicht per se jeden, der lt. Katalog eine Behinderung/Einschränkung/Krankheit hat – sich aber nicht behindert oder eingeschränkt fühlt -verpflichtet. Es bleibt jedem selbst überlassen, diesen Status in Anspruch zu nehmen.

 

G: Ganz nebenbei würden damit dicke Menschen auch als nicht zu diskriminierende Gruppe aufgenommen werden.

 

Christine: Ja, das wäre ein schöner Nebeneffekt, aus meiner Sicht auch ein äußerst notwendiger. Hohes Gewicht ist aus meiner Sicht ein Diskriminierungsgrund, wenn es um z.B. um den Job geht. Frag mal bei Personalern in Deutschland nach. Die Vorurteile, die hier bei sichtbar dicken Menschen noch in den Köpfen von Entscheidern rumgeistert, sind oft so erschreckend, dass ich mich manchmal frage, in welchem Jahrhundert ich lebe. Ich darf nicht benachteiligt werden aufgrund meiner Hautfarbe/Ethnie, meiner Religion oder meiner Sexualität. Aber wegen meines Gewichts darf ich diskriminiert werden. Da ist doch der Wurm drin!

 

G: Erlebst Du einen Unterschied, wie Ärzte mit Dir umgehen?

 

Christine: Bis ich mein Bein verloren habe, war ich sehr selten bei Ärzten. Deshalb kann ich eigentlich nicht viel darüber sagen, wie Ärzte mit mir als dicker Frau umgehen. Wenn es um mein Bein geht, erlebe ich schon viel Empathie durch die Ärzte, es sind da keine Untertöne des Vorwurfs oder so zu erkennen. Ich denke, eine Beinamputation ist eine anerkannte Behinderung, wo man nicht dem Gewicht die Schuld geben kann.  Der Umstand, dass ich mein Bein verloren habe, war allerdings das schlechteste Erlebnis mit Ärzten.

 

G: Magst Du das erzählen?

 

Christine: Nicht im Detail. Aber ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich hier das erste Mal mit so erschreckenden Erlebnissen zu tun hatte, dass ich es mehr als bestätigen kann: Ärzte diskriminieren nicht nur dicke Menschen, sie stellen sie schlechter bzw. versorgen sie schlechter. Sicherlich nicht alle – aber es gibt sie. Und das nicht mal selten.

Das fing schon in der Klinik in Erfurt an, bei dem sich der Chefarzt bei der Angiographie schon mit der ersten Begrüßung als unmißverständlich dickenfeindlich outete – und mir die Untersuchung zur Hölle machte. Mit entsprechend schlechtem Ergebnis, welche noch  weitreichende Folgen für mich haben sollte. Dass es auch anders geht, habe ich dann in der Berliner Klinik festgestellt, bei der die Untersuchung kein Problem war. Für beide Seiten.

Ich kann von Glück reden, dass ich die Odyssee im Erfurter Krankenhaus überlebt habe und Hilfe in einem renommierten Berliner Krankenhaus gefunden habe. Dort war mein Gewicht nie ein Thema, ich wurde freundlich und herzlich behandelt wie alle anderen Patienten auch. Dass mein Bein nicht mehr gerettet werden konnte, war der Tatsache geschuldet, dass sich Erfurt einfach viel zu viel Zeit gelassen hatte. Und Entscheidungen getroffen hatte, die sie besser nicht getroffen hätten. Die Amputation erfolgte in Berlin vor Ostern 2005.


G: Christine, dass hört sich furchtbar an und tut mir auch sehr leid. Bist Du gegen die Erfurter Ärzte vorgegangen?

 

Christine: Natürlich habe ich am Anfang alles mögliche durchgespielt. Ich war zu dieser Zeit nicht rechtschutzversichert – und mir war klar, dass ein Rechtsstreit  über Jahre dauert, sehr teuer ist und viel Kraft kostet. Das Prozess-Risiko ließ sich für mich überhaupt nicht einschätzen. Ich habe bei meiner Krankenkasse den Verdacht auf Ärztefehler aktenkundig gemacht, wohlwissend, dass sie dann verpflichtet sind, tätig zu werden. Grundsätzlich machen es sich Krankenkassen nämlich einfach. Sie warten ab, bis man sich per Zivilklage über Jahre sein Recht erstreitet. Bekommt man es dann, hängen sie sich gern dran.

In diesem Fall, wenn man als Patient die Krankenkasse über den Ärztefehler informiert, beauftragen sie dann ein eigenes Gutachten vom medizinischen Dienst (MDK). Ich war entsetzt und ernüchtert, als ich dieses seitenlange „Gutachten“ gelesen habe. Der Tenor war auf jeder Seite: Wer so dick ist, der muss mit allem rechnen. Das ist ein unkalkulierbares Risiko, was Ärzte nicht verhindern können. Das ganze Drama hatte wohlgemerkt nichts, aber auch nichts, mit meinem Gewicht zu tun.

Die einzige Motivation für eine Klage wäre für mich die Feststellung des „Schadens“, des Verursachers und damit die Kostenübernahme für Hilfsmittel gewesen. Nun gut, wenn meine Krankenkasse meint, dass alles bestens gelaufen ist – dann tragen sie jetzt halt die Kosten. Nach diesem Gutachten habe ich meinen Frieden mit meiner Situation gemacht.

 

G: Ich nehme an, es hat schon so viel Zeit gekostet, um wieder ins Leben reinzufinden.

Christine: Ja, natürlich. Ich habe noch in der Intensivstation meine wunderbare Altbauwohnung gekündigt – 3ter Stock Altbau ohne Aufzug. Ich wusste, dass ich dort nicht mehr wohnen konnte.

Meine Familie hat mich sehr unterstützt und meine Eltern haben in ihrem Haus eine Einliegerwohnung von jetzt auf gleich behindertenfreundlich umgebaut. Ich musste ja irgendwo hin.

 

Besonders das Leben im Rollstuhl macht brutal deutlich, was dann plötzlich alles nicht mehr geht. Wir reden ja immer alle von Barrierefreiheit. Wenn Du im Rollstuhl sitzt, wird erst deutlich, was alles nicht Barriere frei ist.

Ich hatte während meiner Rekonvaleszenz viel freie Zeit und habe munter in den USA Kleidung bestellt. Die musste ich dann beim Zollamt in Ludwigsfelde abholen. Ich also mit meinem Auto und Rollstuhl hin. Zunächst mit dem Rollstuhl über Rasensteine, dann steh ich vor einer Treppe. Keine Klingel, kein Pförtner, nichts. Irgendwann habe ich einen anderen Passanten gebeten, mit meinem Schein reinzugehen und einen zuständigen Mitarbeiter zu mir zu schicken. Das hat dann auch geklappt, der kam aus seinem dritten Stock (ohne Aufzug) runter, brachte mein Paket mit, ich konnte bezahlen und hatte meine Ware.

 

Das habe ich dann aber nicht auf mir sitzen gelassen und mich beim zuständigen Amtsleiter beschwert, denn ich hatte gelesen, dass öffentliche Gebäude barrierefrei zugänglich sein müssen. Auf meine Beschwerde habe ich ein Schreiben erhalten mit dem Hinweis, dass das Gebäude gemietet ist – und somit nicht barrierefrei sein muss – und  mit individuellen Vorschlägen, wie ich auch auf anderem Wege an mein Paket kommen könnte (Bevollmächtigter oder Überweisung der Zollgebühren und dann Zusendung des Pakets per DHL) .

Ich habe dem Amtsleiter erklärt, dass ich ein selbstständiger Mensch bin, der weder das eine noch das andere will. Der einfach sein Paket abholen möchte. Und der dazu als Rollstuhlfahrer eine Möglichkeit benötigt, um auf sich aufmerksam machen zu können. Dass die wegen mir keinen Fahrstuhl da einbauen, ist mir auch klar. Aber ich wollte mich einfach nicht mit den üblichen Phrasen abspeisen lassen.

 

Und siehe da: Wochen später bekomme ich einen Brief vom Amtsleiter, dass jetzt unten für Rollstuhlfahrer eine Klingel eingebaut wurde. Ich bin tatsächlich hin und habe mich vor Ort davon überzeugt. Freunde, wenn ihr mal beim Zollamt Ludwigsfelde seid: Die Klingel da unten hat eine Menge Nerven gekostet J

 

G: Toll, da hat sich Dein Einsatz ja schon gelohnt.

 

Christine: Ja, und dennoch war ich entsetzt. Ich hatte ja nun viel Zeit und bin es auch sonst gewohnt, mit Schrift und Sprache gut umzugehen. Wie ist dies für Menschen, die weniger Zeit haben und vielleicht nicht so geschult im Briefe schreiben sind? Da gibst du doch irgendwann erschöpft auf in dieser Gesellschaft. Das traurige ist, ich habe ja selber diese Mißstände nicht wahrgenommen, bis ich sie mit eigenen Augen und eigenem Körper erleben musste. Auch heute noch habe ich einen Blick für Barrierefreiheit, oder spreche Leute an, wenn sie – mal wieder unberechtigt – auf Behindertenparkplätzen stehen.

 

Die Ignoranz gegenüber behinderten Menschen und den ihnen vorbehaltenen Hilfen ist wirklich erschreckend. Da ist aus meiner Sicht die dicke Welt tatsächlich besser „organisiert“. Ich kann auf Anhieb zig Webseiten nennen, in denen sich dicke Menschen über ihre Themen verständigen können.

Was war ich entsetzt, als ich mal für Berlin eine Location gesucht habe, die zentral ist, gut mit Öffentlichen erreichbar, halbwegs parkbar – und vor allem für Rollstuhlfahrer geeignet, gesucht habe. Das war eine echte Odyssee, an Informationen zu kommen. Da waren oder sind Leute mit Einschränkungen gefühlt deutlich weniger vernetzt oder bieten virtuelle Hilfe an. Ich scheitere heute noch regelmäßig daran, eine Urlaubsidee zu finden, der meine Gehbehinderung berücksichtigt. Entweder Rollstuhlfahrer – oder voll gehfähig. Dazwischen ist wirklich schwer, besonders, wenn es individuell sein soll.

 

 

G: Ich würde gerne noch wissen, ob Du gefühlt einen Unterschied für Dich zwischen Deinem Körpergewicht und Deiner Behinderung machst. Gibt es da ein unterschiedliches Maß von Schuld oder Scham?

 

Christine: Nein, dass ist beides so wie es ist und ich habe immer das Beste draus gemacht – und ich werde immer das Beste draus machen. Für mich ist es völlig unsinnig, in beiderlei Hinsicht von Schuld zu sprechen. Ich habe ein ganz natürliches Schamgefühl. Aber niemals werde ich mich dafür schämen, dass ich die bin, die ich bin. Ich find mich völlig okay  so, wie ich bin. 

 

G: Und wie ist das mit Deinem Umfeld, machen andere da einen Unterschied.

 

Christine (lacht): Von außen betrachtet gehöre ich ja zur Schnittmenge der dicken Frauen – und zur Schnittmenge der behinderten Frauen. Für beide gibt es jeweils ausgesprochene Liebhaber. Aber jemanden für beides zusammen begeistern können? Das war mit meiner Behinderung tatsächlich neu für mich. Und ich musste mich da erst zurecht finden. Ab wann einem Liebhaber dicker Frauen sagen, dass ich eine Unterschenkelprothese trage? Ab wann einem Liebhaber amputierter Frauen sagen, dass ich in einer anderen Gewichtsliga spiele?

Ich habe –wie viele andere wahrscheinlich auch – verschiedene Phasen durchgemacht. Je mehr ich wieder in mein „normales“ Leben zurückkehrte, desto besser konnte ich mit meiner Behinderung umgehen. Zwischenzeitlich ist das „Outing“ kein Problem mehr, ich bin stark genug, um auch mal Ablehnung wegzustecken. Meine Erfahrung ist: Je besser man selbst mit seinem Handicap umgehen kann – umso besser kann es auch Deine Umwelt.

Im Freundeskreis hat sich damals tatsächlich auch hier und da die Spreu vom Weizen getrennt. Bin ich aber nicht unglücklich drüber. Für meine engen und besten Freunde bin ich immer die Christine, egal, ob mit mehr oder weniger Gewicht, ob mit ganzem oder halbem Bein. Und ich schätze mich wirklich sehr glücklich über meine Freunde. Denn die Frage Schuld oder Scham gibt es bei ihnen nicht.

 

G: Gibt es neben den Männern noch andere Situationen, wo Dein Umfeld auf Dich reagiert?

 

Christine: Im Schwimmbad ist es witzig. Ich gehe regelmäßig mit einer Bekannten schwimmen. Ich habe einen bunten Badeanzug, bunte Badekappe, Schwimmbrille, Nasenklammer -  und eine bunte Schwimmprothese. Auf jeden Fall ein echte Erscheinung, wenn man mich erblickt (lacht).

Mit der Badeprothese laufe ich ans Becken ran, lege dort die Prothese ab und schwimme mit meiner  Bekannten zügig 45 Minuten im Becken. Die Kinder bekommen vor Staunen den Mund nicht zu, wenn ich ans Becken komme. Ich glaube nicht, dass da was bösartiges dabei ist, sondern die müssen einfach nur zwei körperliche Merkmale, die ungewohnt sind, sortieren. Bei den Erwachsenen spüre ich dann eher so ein überraschtes Erstaunen darüber, dass eine Dicke ernsthaft Sport treibt. Das hat schon einen gewissen Unterhaltungswert.  Dennoch habe ich dort noch nie das Gefühl gehabt, dort abschätzig oder gehässig betrachtet zu werden. Es ist ungewöhnlich. Und da schauen Erwachsene und Kinder halt gern zweimal hin. Geht mir doch auch so.

Ich habe übrigens lange nach einem passenden Schwimmbecken gesucht, in dem die Behindertenumkleide nicht nur für Rollifahrer durchdacht ist –sondern auch für andere Behinderungen – und bin auf das Schwimmbad am Rohrdamm gekommen.  Hier in diesem privaten Schwimmbad fühle ich mich sehr wohl, was sicher auch an den unglaublich freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeitern im Schwimmbad dort liegt. In anderen Schwimmbädern waren die Erfahrungen längst nicht so gut. Da sind Behindertenumkleiden gern Abstellkammern, es wird nicht unterschieden zwischen Männlein und Weiblein – und was steht dort oft? Ein weißer klappriger Plastik-Gartenstuhl. Ja, genau den, um den wir dicken gern einen großen Bogen machen (grinst ironisch).

 

G: Liebe Christine, danke für die vielen ausführlichen Antworten und Einblicke in Dein Leben. Alles Gute für die Zukunft!

 

C: Gern. Ich freu mich sehr über dieses Projekt. Ich finde die Idee der „barrierefreien“ Betrachtung zwischen Behinderten und dicken Menschen sehr gut. Wir haben bestimmt mehr gemeinsam, als wir glauben. Und ich fände es schön, wenn durch dieses Projekt Behinderte und dicke Menschen ein wenig zusammenrücken.

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Kommentare: 7
  • #1

    Anja (Donnerstag, 25 Dezember 2014 11:51)

    Ich finde es sehr bewundernswert, wie mutig Christine ihren Weg geht. Hut ab!

  • #2

    Eleonore (Freitag, 13 März 2015 01:20)

    Ich kann Christine voll zustimmen. Auch ich bin dick 112kg (früher nach den ganzen Operationen 149,6kg) und seit einigen Jahren im Rollstuhl. Von Barrierefreiheit kann keine Rede sein. Meine Barrieren fangen schon vor dem Haus an. Mit einem Rolli oder E- Rolli ist der Weg nicht zu bewältigen, da die Straße nicht geteert ist. Es ist einfach nur traurig, wenn man im Kopf noch fit ist und doch langsam aber sicher hoffnungslos vereinsamt. Schön ist, dass du eine Kämpfernatur bist. Weiter so, lass dir nichts gefallen.
    Lg. Eleonore

  • #3

    Alex (Mittwoch, 16 März 2016 12:18)

    Sie gefallen mir sehr

  • #4

    Alex (Mittwoch, 16 März 2016 12:21)

    Ich konnte mir gut vorstellen mit dir was anzufangen sie gefallen mir Wahnsinn

  • #5

    hans (Dienstag, 27 September 2016 21:39)

    Möchten Sie meine Frau werden ? LG hans 0176 39155526

  • #6

    Peter Veits (Mittwoch, 16 November 2016 08:40)

    Hallo, meine Partnerin ist nicht nur wegen verschiedener Erkrankungen dick geworden. Mit 170 kg und einer chronischen Entzündung in den Beinen geht außerhalb der Wohnung nichts mehr ohne Rollstuhl. Erst war es für Sie anfangs schon deprimierend, da man als dicke Frau sowieso, und dann noch im Rollstuhl der Hingucker ist. Allerdings hat meine Partnerin schon immer auf Ihr Erscheinungsbild geachtet. Regelmäßiger Friseur, kommt ins Haus, ebenso die Fußpflege und die Nageltante. So ist sie also ein positiver Blickfang. Sie bringt es rüber, bei der der Mehrheit kommen diese Signale an.
    Der Rollstuhl gibt ihr Freiheit, die sie zuletzt ohne nicht mehr hatte. Jeder Gang außer Haus mußte geplant werden. Immer die Angst es im wahrsten sinn des Wortes nicht mehr durchzustehen. Mit dem Rollstuhl sind wir (beide um die 60) jetzt stundenlang unterwegs. Sie genießt einfach die Normalität wieder unterwegs zu sein. Auch wenn nicht Alles barrierefrei ist gibt vVeles was wir seit 3 Jahren unternehmen können.
    Wenn man ein Paar ist, dann ist es vollkommen egal, ob der Partner neben einen hergeht, oder vor einem sitzt.

  • #7

    Susi (Dienstag, 14 Februar 2017 15:35)

    Hallo Christine,

    bin gerade durch Zufall auf obiges Interview gestossen und fühle mich total angesprochen und verstanden, zumal ich selbst > 160 kg wiege und mein rechter Unterschenkel samt Knie bereits mehrfach von Amputation bedroht war und ist. Wie bei Dir, sind die Ursachen angiologischer Natur. Seit viereinhalb Jahren ist der rechte Fuss taub, wodurch ich ziemlich unsicher laufe. Dass ich oft auffalle, bin ich mittlerweile gewohnt und ich reagiere meist überfreundlich darauf. Wenn ich angestarrt werde, frage ich schon mal zuckersüss, ob ich helfen kann. Andererseits bin ich selbst Menschen gegenüber sehr viel toleranter geworden, die nach allgemeiner Auslegung nicht der "Norm" entsprechen. Wobei: welche Norm überhaupt und wer entspricht ihr eigentlich? Blödsinn.
    Bin auf jeden Fall total begeistert von dieser Seite.