Ein sanfter Ansatz für ein schwieriges Problem – wie zwei Gesundheitsspezialisten Diabetes behandeln

 

Diabetes ist eine Krankheit, die auch viele dicke Menschen haben. Es ist allerdings nach wie vor nicht nachgewiesen, daß dicke Menschen aufgrund ihrer Körperfülle zu Diabetes neigen. In neueren Forschungen wird davon ausgegangen, daß die Anlage für Diabetes Typ 2 genetisch bedingt ist, genauso wie auch der Hang zu höherem Körpergewicht. Da für viele dicke Diabetes-Patienten bei Ärzten immer wieder ein Zusammenhang zwischen Gewicht und Krankheit hergestellt wird, soll hier ein neuer amerikanischer Ansatz vorgestellt werden, der hoffentlich Schule machen wird.

Jeder 16. Mensch hat Diabetes. Doch trotzdem ist der Weg für viele dicken Menschen zum Arzt eine Tortur. Auf dem Weg dorthin steigt der Blutzucker, Energien verschwinden und bereits erschöpft schleppt sich die Patientin in die Praxis. 

Es drohen Feuerproben: die hochgezogenen Augenbrauen der Arzthelferin, wenn sie die Patientin im Durchgang der Praxis wiegt, die strenge Lektion über das gewissenhafte Testen des Blutzuckerspiegels und die Abstinenz von jeder Form von Zucker und Fett, und die ewige Litanei des „Nehmen Sie ab! Nehmen Sie ab! Nehmen Sie ab!“. Wenn das alles vorbei ist, wird sich gedemütigt aus der Praxis zurückgezogen, mit dem Vorsatz von Bewegung in angemessenen Abständen, dem Halten einer neuen, strengen Diät und der Durchführung gewissenhafter Bluttests. Ob diese Patientin wieder den Mut aufbringt, sich zum nächsten vereinbarten Termin aufzumachen?

Der Besuch beim Arzt muß keine Prügelstrafe sein. In der Praxis King, Revers & Winn, einer medizinischen Gruppe, die sich auf Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetes spezialisiert, arbeiten zwei bemerkenswerte Menschen zusammen mit einer durchaus revolutionären Ansicht über die Behandlung von Diabetes und über Gewichtskontrolle im Allgemeinen. Allen B. King, der Arzt, und Dana Armstrong, die Diätspezialistin, verbinden ihre Bemühungen, um wieder Freude in das Leben ihrer PatientInnen zurückzubringen. Ihre Praxis ist in Salinas, Californien, und ihr positiver Ansatz macht sich vom ersten Moment an, indem man das Wartezimmer betritt, bemerkbar.

An der Wand hängen Informationsblätter über Gruppentreffen, Ankündigungen von zukünftigen Kursen und heitere Lebensweisheiten. Von einem Poster werden beispielsweise PatientInnen daran erinnert, regelmäßig unter der Dusche zu singen. Der Frank-and-Ernest-Cartoon, der die eine Wand des Sprechzimmers von Armstrong ziert, läßt den größeren Landstreicher den kleineren ermahnen, „Es wird Zeit, daß du etwas für dein Gewicht tust“. Dieser, einen Moment nachdenkend, stimmt ihm zu: „Du hast recht. Ich habe mich entschieden, es zu akzeptieren.“

 

Wenn man im Sprechzimmer ist und mit King und Armstrong zusammensitzt, wird der neue Ansatz des Duos zur Behandlung von Diabetes enthüllt: Verlangen Sie Nahrung. Essen Sie, wenn Sie hungrig sind. Tragen Sie einen Beutel mit Essen mit sich, so daß Sie immer einen Zugang zum Essen haben. Essen Sie, worauf Sie gerade Appetit haben – alles ist „legal“. Aber achten Sie darauf, wie Ihr Körper darauf reagiert; achten Sie darauf, wie Sie sich fühlen. Die Einführung in das Programm beginnt mit einigen Fragen: Warum sind Sie hier? Was sind Ihre Anliegen? King führt aus, was vielleicht nicht so offensichtlich bei diesen Fragen ist: „Wir setzen keinen Zustand voraus.“ Als nächstes wird ein Termin mit Dana Armstrong festgelegt.

Die Behandlung dort beginnt dann mit einem kurzen Ernährungskurs. King und Armstrong stellen fest, daß die meisten ihrer PatientInnen „Veteranen von mehreren Diäten und Diätfehlschlägen“ seien. Die PatientInnen untersuchen ihre letzten „Fehlschläge“ und lernen über die Gefahren von Diäten. Sie werden darin unterrichtet, wie sie ihren eigenen Blutzuckerspiegel messen können und Bewertungen der Zahlen zu meiden: Es gibt keine „guten“ und keine „schlechten“ Zahlen. Der Schlüssel ist, sich drauf zu konzentrieren, wie sich der Körper fühlt, nachdem man ein bestimmtes Nahrungsmittel gegessen hat. Es wird dazu ermutigt, mit der Nahrung zu experimentieren. Mit dieser offenen Haltung gegenüber Nahrung, mit einem Arzt und einer Diätspezialistin, die es ablehnen, die Rolle der „Ernährungspolizei“ zu spielen, können möglicherweise erstmals genaue Blutzucker-Protokolle gemacht werden. Sie müssen sich nicht länger damit quälen, ob sie lieber für einen hohen Blutzucker oder dafür, nicht oft genug getestet zu haben,getadelt werden.

 

Selbstakzeptanz, die zweite Phase des Prozesses, heißt, die Schuld abzulegen, daß Diabetes irgendwie selbst verursacht ist. King erklärt zu Diabetes: „Sie haben einfach bei Ihrer Geburt eine schlechte Karte aus dem Spiel gezogen. Also müssen Sie lernen, dieses bestimmte Pokerblatt im Leben zu spielen. Es hilft, die Krankheit zu verstehen und das Schuldgefühl loszuwerden.“ Zusätzlich müssen PatientInnen zu dem Punkt kommen, ihre Körperfigur zu akzeptieren. King erklärt,: „Wenn eine Patientin hereinkommt und sagt: „Mein Lebensziel ist, 60 Kilo zu wiegen“ können wir sie nicht retten. Wir versuchen, den Kopf für andere Möglichkeiten zu öffnen.“ PatientInnen werden dazu ermutigt, ihre Personenwaagen wegzuwerfen und Kleidungsstücke, die zu eng sind, wegzugeben.

Zum Schluß dieses Prozesses lernen die PatientInnen, ihr eigenes Leben zu führen, basierend auf ihren eigenen Erfahrungen mit Nahrungsmitteln, Aktivitäten und ihren Körperreaktionen. Essen, um emotionale Bedürfnisse zu befriedigen, und essen, um den Bedürfnissen des Körpers zu entsprechen, wird klar getrennt. Bei einigen PatientInnen können psychologische und emotionale Bedürfnisse zum Vorschein kommen. PsychotherapeutInnen gesellen sich möglicherweise zu dem professionellen Team, um KlientInnen zu unterstützen, während sie ihr Verhältnis zum Essen normalisieren. Nahrungsaufnahme bedeutet das Reflektieren von gesunden, bewußten und selbstgesteuerten Auswahlmöglichkeiten. Am wichtigsten für viele PatientInnen ist zu lernen, wieder Freude am Essen zu haben.

 

Verlieren die PatientInnen an Gewicht? Nicht unbedingt. Aber sie sind glücklicher, haben ihre eigene Gesundheit unter Kontrolle und treffen ihre Entscheidungen. „Wenn jemand in die Praxis kommt, dann wiegen wir sie nicht. Manche Patienten wollen gewogen werden. Wir fragen warum. Wenn sie sagen: „Bitte wiegen Sie mich“, dann machen wir daraus kein Thema. Wir praktizieren eine neue Religion: Sanftheit. Menschen müssen sanft mit sich selbst sein“, sagt King. Während des Prozesses werden verschiedene Quellen genutzt, um den PatientInnen zu helfen, ihre Diabetes zu verstehen und zu kontrollieren: Diabetes beeinflußt die Fähigkeit des Körpers, die Nahrung, die er zu sich nimmt, effektiv zu nutzen. Nach dem Essen wird die Nahrung verdaut oder in Nährstoffe, und auch Kohlehydrate (darin inbegriffen Stärke und Zucker), Fette und Proteine aufgebrochen. Das Insulin-Hormon, welches in der Bauchspeicheldrüse produziert wird, wird für alle drei dieser Nährstoffe benötigt, damit sie gut genutzt werden können. Insulin hilft, daß Glucose (die verdaute, einfache Form von Zucker; der Zucker, der im Blut mitgetragen wird) vom Blut in die Zellen gelangt, wo sie zu Energie verbrannt werden kann. In einem zweiseitigen Informationsblatt für PatientInnen zieht King’s medizinische Gruppe einen analogen Vergleich, um die Krankheit zu erklären: „Stellen Sie sich Glucose als Brennmaterial vor, das von einem LKW geliefert wird. Damit die Lieferung erfolgen kann, müssen die Türen Ihrer Körperzellen geöffnet sein. Der einzige Schlüssel, der diese Türen öffnet, ist Insulin. Wenn Insulin verfügbar ist, und in Ihrem Blut wirksam arbeitet, sind Ihre Zellen fähig, die Glucose in Ihrem Blut zu nutzen. Ohne genügend oder wirksame Mengen von Insulin kann die Glucose nicht in den Zellen für Energie genutzt werden.“

 

Alle Menschen mit Diabetes halten an einer von drei Behandlungsmethoden fest: Sie verlassen sich auf den Vorrat ihres Körpers an Insulin, um die Nahrung, die sie essen, zu verwerten, sie nehmen Medikamente, um das Insulin ihres Körpers zu steigern, um die Nahrung, die sie essen, zu verwerten oder sie nehmen Insulin, um die Nahrung, die sie essen, zu verwerten. Welcher Behandlung auch immer ein Patient folgt, das Spiel ist zu guter Letzt von Gleichgewicht bestimmt: Nahrung und Insulin. Nahrung verlangen konzentriert sich darauf, ein gesundes Gleichgewicht zu erhalten. Wenn ein Mensch nicht angemessen Insulin produziert, bleibt ein Übermaß an Glucose oder Zucker im Blut und verhält sich fast wie Gift zum Körper. Zucker bedeckt alles. Die Langzeitwirkungen können gefährlich sein. Direkt oder indirekt ist Diabetes eine Haupttodesursache. Arteriosklerose (Verhärtung und Verengung der Schlagadern) hängt häufig mit Diabetes zusammen: 85 Prozent der Todesfälle durch Diabetes kommen von dieser Gefäßkrankheit. Diabetes ist die Ursache Nummer eins für Nierenversagen. Diabetes ist der Hauptgrund für den Verlust des Sehvermögens. Gewebetod und Amputationen sind andere Begleiter der Krankheit. Diese möglichen Risiken erklären, warum Eltern, Ehepartner, Geschwister und Ärzte oft zusammenarbeiten, um das Regiment der strikten Diät-Kontrolle bei einer Person mit Diabetes durchzusetzen. Obwohl die besten Absichten das Aufdrängen einer Diät begleiten, funktionieren Diäten bei Diabetikern genauso wie für den Rest der Welt: gar nicht. King und Armstrong wissen das, allerdings steht auch bei ihnen ein langer Erkenntnisprozeß dahinter. Ihr Programm entstand durch die rigorose Erfahrung mit Frustration und Versagen. Bevor Dana Armstrong den Reihen von King, Revers & Winn beitrat, hatte Dr. King eine festgesetzte Routine. „Ich gab eine 1200-Kalorien-am-Tag-Diät von der „American Diabetes Association“ aus. Grundsätzlich war es ein bloßer Zettel, und es war sehr leicht für einen beschäftigten Arzt, ihn auszugeben. Außerdem waren Verhaltens­veränderungen beliebt. Das Programm sah also grundlegend so aus, wenig Fett und Zucker zu essen (die 1200-Kalorien Diät), Messer und Gabel nach jedem Bissen beiseite zu legen und von einem kleineren Teller zu essen.“ King, der an der Wirksamkeit eines solchen Programms interessiert war, tat sich mit fünf anderen Internisten zusammen, die ebenfalls diese Blätter austeilten, um 60 PatientInnen zu studieren. Als sie diese PatientInnen ein bis vier Monate später untersuchten, war deren durchschnittlicher Gewichtsverlust 30 Gramm pro Woche. Die Hälfte hatte zu­genommen. King schloß daraus: „Die Untersuchung zeigte, daß die Hälfte der Patienten, die bei einem Arzt­besuch gesagt bekommen, daß sie abnehmen sollen, zunehmen werden. Und ich war am wenigsten erfolgreich, weil ich mit chronischen Diätern arbeitete.“

 

Eine zweite Studie über die Wirksamkeit von Diäten in den 70er Jahren zeigte ebenfalls hundert PatientInnen, deren Abnahmeversuch fehlschlug. King folgerte, daß eine schärfere Kontrolle und Artillerie nötig war. Als nächstes experimentierten sie mit Flüssigdiäten und mit häufigeren Arztbesuchen. Diese Gruppe, bestehend aus etwa fünfhundert PatientInnen, waren Überweisungen von anderen Ärzten. King sagt: „Die Ärzte schickten uns ihre erfolglosesten Diäter. Wir waren die letzte Station.“ Armstrong lacht und fügt hinzu: „Obwohl er gar keinen Erfolg hatte!“ „Hatten wir“, bekräftigt King scherzhaft. „Solange wir keine Nachfolge-Untersuchung durchführten, hatten wir eine exzellente Erfolgsrate.“ Die Statistik dieser fünfhundert PatientInnen zeigte, daß die PatientInnen im Durchschnitt 50 Pfund in sechs Monaten verloren. Unglücklicherweise hat eine drei Jahre spätere Nachfolge-Untersuchung gezeigt, daß sie 60 Kilo wieder zugenommen hatten. Danach kamen Diätpillen, Kieferverdrahtung und dann die Garren Gastric-Blase. Die Idee der Blase war, einen Ballon in den Magen zu setzen, so daß sich PatientInnen satt fühlten. Einige PatientInnen verloren Gewicht: Jene die Geschwüre und Darmverstopfung entwickelten. 1985 stieß Armstrong, ausgestattet mit einem Uni-Abschluß in Diätetik zu King’s Praxis. Armstrong: „Als ich dazu kam, gingen wir auf ein Punkte-System über – 75 Kalorien waren ein Punkt. Die Diät bestand aus 16 Punkten am Tag. Wir schränkten all das „gute“ Essen ein. Ich gab den Patienten Bücher mit Kalorienpunkten. Sie durften alles essen, was sie wollten. Sie durften Schokoladenkekse essen, aber wenn sie bei 16 Punkten angekommen waren, mußten sie aufhören. Im Endeffekt hatten alle ihr Gewicht wieder zugenommen.“ King: „Eine Schale Möhren – ein Punkt; Sellerie – kein Punkt“. Armstrong: „Dann hatten wir die Flüßigdiäten. Das war von 1986 bis 1988. Das waren 100 Prozent kalorien­arme Diäten, wie die von Oprah Winfrey. 600 Kalorien am Tag“. King: „Wir dachten, je enthaltsamer und eingeschränkter, desto erfolgreicher würden wir sein. Wir erschufen Brokkoli-Heißhunger. Im Ernst, wir hatten Patienten, die einen Heißhunger auf Brokkoli hatten!“ Armstrong: „Sie fühlten sich schuldig, weil sie Salat aßen!“ Sowohl Armstrong als auch King sind heute schockiert, wenn sie sich an ihr damaliges Fiasko erinnern. Sie haben gründlich demonstriert bekommen, daß das, was entzogen wird, extrem begehrenswert wird. Entzug ist die Einladung zum Heißhunger.

 

Der Durchbruch begann, als Armstrong 1988 an einer Konferenz teilnahm und Jane Hirschmann und Geneen Roth sprechen hörte. Sie kehrte zu ihrer Praxis zurück und las „Overcoming Overeating“ von Hirschmann und Munter und „Das hungrige Herz nähren“ sowie „Aus dem zwanghaften Essen ausbrechen“ von Roth. Bald begann Armstrong in Gesprächen mit Patienten, die Beobachtung mit einfließen zu lassen, daß Diäten nicht funktionieren. 1989 besuchten beide, Armstrong und King, die Konferenz der Nordamerikanischen Gesellschaft für Adipositasforschung in Boston. In einer Sitzung, wo die Vorzüge von operativen Maßnahmen gepriesen wurden, wurde ein Dia auf eine Leinwand projiziert. Das Dia zeigte eine Grafik, welche die Gewichtskurve einer weiblichen Patientin darstellte. Im Alter von 14 Jahren schoß die Kurve nach oben, und zeigte somit eine sehr schnelle und heftige Gewichtszunahme auf. Der Referent kommentierte in einer lockeren Art, daß die Patientin mit vierzehn das Opfer eines Inzests war. Mit 24 Jahren zeigte die Kurve einen dramatischen Sturzflug. Der Referent beschrieb das Vorgehen, das die Krankheiten dieser jungen Frau „geheilt“ hatte: eine Darm-Bypass-Operation. Sowohl King als auch Armstrong wurden von dem Herunterspielen von Inzest gefangen genommen. Der Raum voller Ärzte schienen die Frau als Mensch zu ignorieren und sich nur auf einen Teil von ihr zu konzentrieren: Ihr Fett, den Teil, von dem sie glaubten, ihn „in Ordnung bringen“ zu können.

 

Armstrong suchte weiterhin nach Alternativen zu dem, was das medizinische Modell bot. 1991 brachte diese Suche sie zu der „Nationalen Konferenz über Eßstörungen“ – King kam mit. Dort trafen sie Hirschmann und Munter, Mary Sue Tierney und Karen Carrier, die in gemeinsamen Wellness-Programmen arbeiteten, die sich von dem gewöhnlichen Schwerpunkt der Gewichtskontrolle weg bewegten. Am Ende der Konferenz schaute King Armstrong an. Sie schüttelten sich die Hände und schworen sich gegenseitig: „Wir werden zusammen arbeiten, um den Mythos zu brechen, daß Diäten funktionieren.“ King und Armstrong hatten sich entschieden, was sie nicht tun wollten. Aber was würde den alten Ansatz ersetzen? Die beiden teilten sich die Verantwortlichkeiten folgendermaßen auf: Armstrongs Job war es, herauszufinden, was zu tun sei, und Kings Job, herauszufinden, warum es funktionieren würde. King fügt hinzu, daß sie sich einer starken Selbst-Analyse unterziehen mußten. Die Themen waren Kontrolle und Verantwortung. Sie hatten ihre PatientInnen kontrolliert – durch Einschränkungen, durch das Wiegen, durch Ernährungstagebücher – und nun hatten sie damit zu kämpfen, diese Verantwortung wieder an ihre PatientInnen zurückzugeben. In einem Leitartikel der November/Dezember 1993-Ausgabe von „Obesity and Health“ (Adipositas und Gesundheit), den King schrieb, erklärte er: „Ich realisiere nun, daß es nicht die Rolle des Arztes ist, den Patienten zu kontrollieren.“

 

Aus ihrer Praxis, und ohne zahlreiche Untersuchungen, wissen King und Armstrong, daß ihre medizinische Behandlung richtig ist. Nicht besessen von Zahlen – Pfunde oder Kalorien oder Blutzuckerwerte – liegt der Erfolg dieses Duos darin, daß sie zuerst daran denken, daß ihre PatientInnen Menschen sind. Sie betonen, daß jede Veränderung der Ernährung und des Lebensstils als Teil einer Behandlung von Diabetes eine Partnerschaft zwischen PatientIn, Arzt/Ärztin und eines ausgewiesenen Ernährungsberaters/beraterin einschließen sollte. King und Armstrong stärken die Menschen mit dem einfachen Motto: „Setzen Sie sich hin, entspannen Sie sich und fangen Sie an, auf sich selbst zu hören.“

 

Ein Text von Susan Lawrence Rich (Herbst 1995), Übersetzung: Doris Wagner + Kathrein Bliersbach

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Kommentare: 1
  • #1

    Frank Linnhoff (Montag, 08 Juni 2015 00:34)

    Diabetes Typ 2, worum es in diesem Artikel geht, entsteht ebenso wie Adipositas durch eine Kohlehydrat-Intoleranz. Bei einem Diabetiker, welcher seine Ernährung konsequent auf kohlehydratarm und fettreich (ungesättigte tierische Fette) umstellt, fällt in der Regel ein selbst stark überhöhter Blutzuckerspiegel innerhalb einer Woche ohne Medikamente auf einen akzeptablen Wert. Gleichzeitig sinkt das Übergewicht ohne Kalorienzählen, ohne Hunger jede Woche um 1/2 bis 1 kg. Diese Erfahrung habe ich und viele andere ehemalige Diabetiker gemacht. Ich rate jedem stark übergewichtigen Diabetiker nicht den Ernährungsempfehlungen der deutschen diabetischen Gesellschaft zu folgen und sofort den Arzt zu wechseln, falls er eine kalorienreduzierte kohlehydratreiche und fettarme Diät nach den Empfehlungen der deutschen diabetischen Gesellschaft verschreibt.