Die Wissenschaft hat festgestellt: Diskriminierung macht Stress!

Mich überrascht es nicht, aber eine neue Studie aus Leipzig bestätigt jetzt: 

Je höher das Übergewicht ist, desto stärker fühlen sich Menschen diskriminiert.Die Forscher bestätigten damit nicht nur uns, sondern auch Untersuchungen aus den USA und Großbritannien in Bezug auf gewichtsbedingte Diskriminierung. Davon betroffen sind vor allem Frauen.

 

Übergewicht erzeugt auch psychische Erkrankungen, wie Forscher des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositas-Erkrankungen der Universität Leipzig Anfang des Jahres berichteten. 

Wissenschaftler des IFB untersuchten nun ein Phänomen, auf das bereits Studien aus den USA und Großbritannien hingewiesen hatten: Diese kamen zu dem Ergebnis, dass Menschen mit starkem Übergewicht auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt diskriminiert werden. Auch die deutschen Forscher stellten nun fest: Viele Menschen mit Adipositas in Deutschland haben Diskriminierung erfahren.

Diskriminierung kein Einzelphänomen


Die Wissenschaftler, die ihre Ergebnisse im Fachmagazin „International Journal of Obesity“ veröffentlichten, berichten dass die Diskriminierung faktisch mit jedem Pfund steigt. Während bei moderatem Übergewicht 5,6 Prozent der 3.000 Befragten von Diskriminierung berichten, sind es bei höherem Gewicht bereits zehn bis 18 Prozent und bei sehr schweren Menschen sogar fast 40 Prozent. Den Angaben zufolge beruhen die Zahlen auf den Selbstauskünften der Erhebungsteilnehmer auf die Frage, ob sie schon einmal Benachteiligung aufgrund ihres Körpergewichts erlebt haben. Die Leiterin der IFB-Forschungsgruppe „Stigmatisierung bei Adipositas“, Dr. Claudia Luck-Sikorski, hob hervor, „dass in dieser Studie zum ersten Mal das Ausmaß gewichtsbedingter Diskriminierung in Deutschland deutlich wurde. Es handelt sich also nicht nur um ein Einzelphänomen, sondern betrifft vor allem Frauen mit höherem Gewicht. Während 7,6 Prozent der Männer mit Adipositas über gewichtsbedingte Diskriminierung berichten, ist dieser Wert bei Frauen mit 20,6 Prozent ungleich höher.“

Das Team aus Leipzig kooperierte mit der Juristischen Fakultät der Universität Kopenhagen. Die dänische Rechtswissenschaftlerin Prof. Mette Hartlev erklärte: „Diskriminierung ist die Benachteiligung einer Gruppe von Menschen mit bestimmten Merkmalen. Dazu zählen zum Beispiel Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Alter oder Behinderung. Die aktuelle Untersuchung zeigte nun für Deutschland, dass auch Adipositas dazu gehört. Ähnlich wie in den Bestrebungen zur rechtlichen Gleichstellung von Mann und Frau, Behinderten und Nicht-Behinderten, müssten wir heute über gesetzliche Regelungen für adipöse Menschen nachdenken“.


Stigmatisierung führt zu Diskriminierung

Die Diskussion dazu wurde in Dänemark durch den Fall eines adipösen Tagesvaters bereits angestoßen. Dem Mann, der Kleinkinder betreute, wurde nach 15-jähriger Tätigkeit gekündigt. Da er dies als Diskriminierung aufgrund seines Übergewichts empfand, klagte er dagegen. Das dänische Gericht wendete sich an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Weil es im EU-Recht kein Diskriminierungsverbot aufgrund von schwerer Adipositas gibt, müsse im Einzelfall geprüft werden, ob die Berufsausübung beeinträchtigt ist. Im Einzelfall könne starke Adipositas als Behinderung anerkannt werden, so der EuGH. In so einem Fall greift dann die EU-Richtlinie über die Gleichbehandlung in Beschäftigung und Beruf. „Solche Fälle wie in Dänemark kommen auch in Deutschland vor. Sie sind aber nur die Spitze des Eisbergs“, sagte Luck-Sikorski. „Das zugrundeliegende Problem ist die negative Meinung und ablehnende Haltung gegenüber Menschen mit Adipositas. Diese Stigmatisierung führt letztlich zu Diskriminierung. Ziel unserer Forschung ist, diese Phänomene besser zu verstehen und Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Wir sehen aber auch den Gesetzgeber in der Pflicht.“


Deshalb ist es wichtig, jede Diskriminierung an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu melden. Noch bis November kann man dazu an einer Befragung teilnehmen. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Natalia (Montag, 23 November 2015 16:37)

    Hi,

    da kann ich ein Lied von Singen, von allen möglichen Formen von Benachteiligung. Direkt und indirekt. Ich werde gleich mal an der Befragung teilnehmen, vielleicht hilft es ja was.

    Tschüß Natalia

  • #2

    Katharina (Mittwoch, 02 März 2016 15:31)

    Ich glaube dieses Verein meint es gut. Nichtdestotrotz wenn ich das Ü-Wort höre, sehe ich rot (über welches Gewicht denn bitte?), denn das Wort ist mit Dickephobie/Hass verbunden und vermittelt die Botschaft, dass Dicke nicht in Ordnung sind, was natürlich nicht stimmt.

    Ich bitte Sie so freundlich wie möglich das Ü-Wort und andere Euphemismen zu unterlassen und stattdessen das Wort "DICK" laut und mit Stolz zu sagen/schreiben.

    Vielen Dank vorab!