Reich, intelligent und dick? 

Ein Interview mit Monika Reich - Autorin des Buches "Finanziell frei"

 

Mit Geld haben wir es bei Dicke e.V. nicht so. Im Gegenteil, wir haben fast immer das Problem, dass wir uns finanziell so gerade über Wasser halten. Ohne Monika Reich hätten wir schon mehrere Male den Verein dicht machen können. Sie vereint zwei Eigenschaften: Sie ist reich und dick. Grund genug, ein Interview mit ihr zu führen: 

Gisela: Wir haben lange Zeit nicht gewusst, dass Du über Geld verfügst. 

 

Monika: Nein, in unserer Gesellschaft trägt man das - glaub ich - auch nicht unbedingt vor sich her. Also ich zumindest nicht. Ich habe lange gebraucht, um selbst zu akzeptieren, dass ich reich bin. Eigentlich ist das erst so richtig gesickert, als ich die Millionärinnenschwelle überschritten hatte. 

 

Gisela: Cool - mit Millionärinnen führe ich selten Interviews. Ich will nochmal nachfragen. Du sagst, man zeigt in unserer Gesellschaft nicht, wenn man Geld hat? 

 

Monika: Ja, ich glaube, dass das einigen reichen Menschen so geht. Um nicht zu sagen, mein Gefühl ist, dass es schon Menschen gibt, bei denen wir den Eindruck haben, diese hätten viel Geld. Haben sie aber gar nicht unbedingt. Und dann gibt es solche, die haben viel Geld, leben aber eher bescheiden. Zu dieser Gruppe zähle wohl auch ich.  Ist wahrscheinlich nicht von ungefähr, dass das zusammengehört. 

 

Gisela: Warum? 

 

Monika: Na ja, ich habe mir mein Vermögen ja zusammengespart und das Gesparte dann investiert. Dazu muss man erstmal sparsam leben. Und das beißt sich mit einem aufwendigen, repräsentativen Lebensstil.  

 

Gisela: Stimmt, als Du uns im letzten Jahr zu ersten Mal eine größere Spende hast zukommen lassen, habe ich mich auch erstmal gewundert.

 

Monika: Ja, das stimmt. Ich glaube, da gibt es viele Wechselwirkungen, die dazu führen, dass es so gut wie keine Menschen gibt, die mir zutrauen, Millionärin zu sein. Unter anderem ist das meine Figur.

 

Gisela: Wieso?

 

Monika: Ich trage Kleidergröße 54, mache mir nicht viel aus Make-up und Kleidung. Hauptsache, es ist bequem, praktisch und passt gut. Wenn Du mal kurz Deine Augen schließt und überlegst, wie eine Millionärin aussieht, dann bin ich sicher, dass diese Beschreibung dabei nicht vorkommt, oder? 

 

Gisela: Nein, eher nicht. Allerdings würde da jetzt auch überhaupt kein weibliches Bild auftauchen. Wenn ich an Menschen mit viel Geld in Stereotyp denke, kommt mir da eher ein Mann, wahrscheinlich mit Anzug und fettem Auto. An Frauen denke ich da nicht und ja, schon gar nicht an dicke Frauen. Da hast Du schon Recht. 

 

Monika: Siehst Du. Und so geht es fast allen Menschen, mit denen ich zu tun habe. Ich merke an ihren Bemerkungen zu meiner Freiberuflichkeit und zu meinen Tätigkeiten, dass sie erstmal davon ausgehen, dass ich mich eher am Existenzminimum bewege. Und halt irgendwie meinen Lebensunterhalt bestreite. Eben weil ich auch erkennbar nicht mehr jeden Tag arbeite. Auf die Vermutung, dass ich gar nicht mehr arbeiten muss und das nur aus Spaß mache, kommt nie jemand. 

 

Gisela: Du könntest das ja sagen. 

 

Monika: Lange Zeit habe ich das nicht getan. Tatsächlich öffne ich mich gerade mehr. Das hat der Schreibprozess zu meinem Buch bewirkt. Ich gebe jetzt schonmal gegenüber anderen - mir halbwegs nahe stehenden -  Menschen zu, dass ich nicht mehr so viel arbeite, weil ich es einfach nicht mehr muss. Nur löst das total schnell Neidgespräche aus, was dann auch nicht toll ist. 

 

Gisela: Wie sind Deine Erfahrungen mit Menschen, die Dir nicht so nahe stehen? 

 

Monika: Ich werde - gerade wenn wir nur optischen Kontakt haben - systematisch in eine falsche Schublade gesteckt. Das merke ich an komisch überraschten Reaktionen, wenn mein Gegenüber merkt, dass ich sehr selbstbewusst relativ kluge Dinge von mir geben kann. Und mich wenig von allem möglichen Selbstdarstellungsgehabe beeindrucken lasse. Allerdings führt das auch dazu, dass ich viele Small-Talk Gespräche schnell abbreche. Denn wenn mein Gegenüber nicht in der Lage ist, blitzschnell die Schublade zu wechseln, in die er mich erst gesteckt hat und in die er mich jetzt stecken soll, dann habe ich keine Lust mehr. 


Neulich hatte ich ein nettes und dennoch auch trauriges Erlebnis in einem Modegeschäft. Sie haben tolle Sachen, aber ich habe einen echt vollen Kleiderschrank. Obwohl ich mir eigentlich wenig aus Mode mache. Anyway, ich sage, ich möchte mir nur ein Teil kaufen. Ich habe nicht gemeint, dass ich mir nur ein Teil leisten kann. Es war eher eine selbstaufgelegte Beschränkung in Gedanken an meine nicht schließenden Schranktüren. Trotzdem wurde es gleich verbucht unter: Die hat kein Geld. Ich bekam dann Rabatt und extra 3 Euro in die Hand gedrückt, um mir einen Kaffee zu leisten. Das war lieb gemeint und ich habe mich auch brav bedankt. Aber die Botschaft war dennoch eine, das ich in eine ziemlich ärmliche Schublade gehöre. 


Gisela: Willst Du das denn ändern?

 

Monika: Ich bin mir nicht sicher. Eigentlich möchte ich nicht immer in Schubladen gesteckt werden. Schon gar nicht in Falsche. Das weckt bei mir dann immer den Impuls, Menschen überraschen zu wollen. Ich erzähl dann aber doch selten, dass ich Millionärin bin. Obwohl da sicher die einen oder anderen überrascht gucken würden.


Trotzdem, über Geld wird in unserer Gesellschaft selten gesprochen, also muss ich es auch nicht tun. Zumal ich ja eigentlich auch nicht Anerkennung wegen meines Geldes will, sondern ich möchte eigentlich nur keine Abwertung wegen meiner Figur.


Gisela: Wie ist das bei reichen Frauen? Macht Geld sexy?


Monika (lacht): Nee, als ich meinen Mann kennengelernt habe, hat der eindeutig meinen Körper sexy gefunden. Heute findet er das mit dem Geld sicherlich auch gut, aber ich denke, sexy findet er weiterhin meinen Körper und mich als ganze Frau.


Gisela: Du schreibst und bloggst zu Deinen Geld- und Lebenserfahrungen?


Monika: Ja, daher kennen wir beide uns ja auch. Wir führen seit einiger Zeit Geldgespräche und seit neuestem gibt es dazu auch einen Blog. Ich teile gerne meine Erfahrungen, die vielleicht ungewöhnlich sind, aber dennoch eben wichtige Erfahrungen sind.

Wer ein bisschen genauer wissen will, wie ich es geschafft habe, mit 45 Jahren finanziell frei zu sein, der kann dies im gleichnamigen EBook nachlesen.


Gisela: Monika, herzlichen Dank! Nicht nur für dieses offene Interview, sondern auch für Deine Unterstützung von Dicke e.V.. Ohne Dich würde es dieses Interview und die Angebote von Dicke e.V. schon nicht mehr geben. 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Antje (Montag, 23 November 2015 16:47)

    Hi,

    in dieser Lebenslage möchte ich auch gerne sein. Aber ich würde mir unter einer Millionärin auch nie eine dicke Frau vorstellen, von daher bin ich da voll selbst in die Schubladenfalle getappt. Das mag aber auch an meiner eigenen Situation liegen und das ich sonst auch nur dicke Freundinnen habe, die eher kein Geld besitzen. Schön, dass es zumindest eine gibt, die es geschafft hat. Und extra toll, dass sie dem Verein hilft.
    Schönen Abend Antje

  • #2

    Heike (Montag, 23 November 2015 22:20)

    Ich hatte auch mal gut Geld, also reich war ich nicht, aber es hat guuut gereicht von Monat zu Monat. Da wurd ich tatsächlich anerkannt von Leuten, die sonst eine sehr ablehnende Haltung zu dicken Menschen haben, vor allem zu dicken Frauen. Dicke Männer mit Geld werden anders wahrgenommen. Dicken Frauen wird bedeutet, dass man staunt, wie sie es schaffen konnte, mit der Figur. Zudem war ich im Wellnessbereich tätig, einer Domäne der Schönheitsapostel, das war schon aussergewöhnlich. Und als das Geld nicht mehr so da war, habe ich erfahren, wie schnell man vergessen wird. Nun bin ich arm und schramme am Ruin entlang. Mein Fazit aus dieser Efrahrung: mit Geld hat man Chancen, die man ohne nicht hat - in jeder Hinsicht auf die persönliche Entwicklung (Bildung, Beruf, Reisen, Gesundheit),egal od dick, dünn klein, groß, alt oder jung.