Mit 6 Jahren in die Depression - ein Problem für dicke Kinder

Im Mai diesen Jahres ist eine interessante und traurige Studie in der wissenschaftlichen Zeitschrift Child development veröffentlicht worden. Ein Team von Wissenschaftlern hatte an der Universität Oklahoma 1164 Erstklässler an 29 Schulen untersucht. Zur Untersuchung wurden sie in BMI Kategorien eingeteilt. Also in normalgewichtig, übergewichtig, sehr übergewichtig und sehr stark übergewicht. Warum untergewichtig keine Rolle spielte, wissen wir nicht. Auch weisen wir hier nochmal darauf hin, dass wir die Unterteilung als eine willkürliche wahrnehmen, die nicht über die Gesundheit eines Menschen aussagt. Wohl aber darüber, wie mit ihm umgegangen wird. Und darum ging es in dieser Studie. 

Sie brachte Erschreckendes zutage. Wir betrachten 6jährige Kinder. Eigentlich unschuldige Seelen. Die ihren gleichaltrigen dicken Mitschülern und -schülerinnen mit Abscheu und Ablehnung begegnen. 

Das Team konnte folgende Beobachtungen machen. Dicke Kinder sahen sich konfrontiert mit Hänseleien, Isolation und Ablehnung. Je dicker sie sind, desto schlimmer ist es. Sie werden auch systematisch ignoriert, wahrscheinlich eine der schlimmsten Formen von Ablehnung. Streben doch Menschen und besonders Kinder nach Zugehörigkeit. Die Kinder wurden in der Studie gebeten, ihre liebsten und am wenigsten liebsten Spielkameraden zu nennen. Unter den liebsten wurden dicke Kinder nie genannt, bei den am wenigsten beliebtesten Spielkameraden dagegen wurden besonders dicke Kinder gerne genannt. 

 

Es überrascht nicht, dass diese negativen, isolierenden Erfahrungen ernsthafte psychologische Auswirkungen bei den betroffenen Kindern zeigen. "Starkes Übergewicht ist ein klares psychosoziales Risiko für Kinder, sogar bereits für Kinder im Alter von 6 Jahren", erklärte Amanda Harrist, die als Professorin die Studie leitete. "Die Konsequenzen für die Kinder können dramatisch sein, sie leiden an Gefühlen von Einsamkeit, Depression und Aggression, es steht zu befürchten, dass diese Kinder die Schullaufbahn nicht erfolgreich durchlaufen können und  eher die Schule abbrechen".

Die Forscher vermuten auch, dass physische Probleme bei diesen Kindern aus den psychischen Problemen resultieren.

 

Die Forscher haben sich auch angeschaut, wie die Kinder ihre negative Einstellung gegenüber dicken anderen Kindern erlernt haben. Man wird ja nicht geboren mit den Wissen, dicke Kinder darf ich hänseln und ausschließen. Die Ergebnisse überraschen nicht, sind aber dennoch deprimierend: Sie haben es erlernt. Von ihren Eltern und anderen Erwachsenen, von anderen Kindern und aus den Medien. Eine Gesellschaft, in der dicke Menschen stigmatisiert werden, macht sich bereits bei den Kleinen bemerkbar. Sie haben es aufgenommen, kurz bevor sie überhaupt lesen können: Dass man dicke Menschen und so auch ihre eigenen Mitschüler hänseln und ärgern darf. Nur aufgrund ihres Gewichts. 

 

Als Lösung schlagen die Wissenschaftler sehr harte Interventionen an Schulen und auch sonst zwischen den Kindern vor. Es muss schnell deutlich gemacht werden, dass es keinen Grund gibt, dicke Kinder zu hänseln oder auszuschließen. So hätten dicke Kinder vielleicht doch noch eine Möglichkeit integriert zu werden. 

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Kommentare: 3
  • #1

    Carola (Dienstag, 28 Juni 2016 14:55)

    Das kenne ich zu gut. Für mich war Kindergarte und Schule die Hölle. Es ging sogar so weit das man im Sportunterricht meine Kleidung geklaut und diese dann in den Mülleimer wart. So das ich dann da Ewigkeiten weinend herumsaß. Natürlich mit Unterwäsche bekleidet mich nicht herausgetraut hab auf den Schulhof um meine Kleidung zu holen. Kindergarten fing alles an ich hatte nicht eine einzige Freundin oder Freund. Kann mich noch sehr gut daran erinnern wie ich die Kindergartenkinder später im Konfirmandenunterricht wieder traf und sie dann auf der Straße (im Fahren) gegen mein Fahrrad getreten haben, so das ich fast überfahren worden wäre. Die hatten sich in keiner Weise im Verhalten geändert sondern sind sogar handgreiflich geworden. Es war eine Qual es war die Hölle. So etwas wünsche ich niemandem. Ich habe jahrelang keine Freunde gefunden dadurch und laufe immer noch gehemmt durchs Leben. Fühle mich unterwegs beobachtet und gehe ungern raus. Das ist echt nicht schön. Therapie bringt leider nichts...

  • #2

    Nathalie (Donnerstag, 22 September 2016 00:08)

    Ich war in der Schule auch nur sporadisch mit Dicken befreundet. Nicht um sie wegen ihres Gewichts auszuschließen, sondern weil ich einfach keine gemeinsamen Interessen mit ihnen hatte.
    Alles was Spaß machte, haben die Dicken in meiner Schule nicht gemacht. Sport jeglicher Art, zumal für Dicke schon normale Alltagsbewegung als Sport zählt. Eine Fahrradtour zum See zum Beispiel. See oder Freibad mochten sie nicht, wegen Badekleidung nehm ich an. Shoppen gehen erst recht nicht, über den Schwarm sprechen, Flirts etc.. ging nicht, da sie nie ein Abenteuer hatten. Eine Dicke, mit der ich in der Schule gern redete, hat ihre Freizeit immer am PC verbracht. Ich mag sowas einfach nicht. Letztendlich habe ich keine dicken Freunde, weil sie einfach andere Freizeitinteressen und einen anderen Lebensstil haben und in der Schule schon hatten. Natürlich sind nicht alle Dicken so, aber alle, die ich bisher kennenlernte.

  • #3

    Michi (Freitag, 18 November 2016 07:53)

    Das kenne ich nur zu gut, als "Dicker" bist du von vielen Sachen ausgeschlossen worden. Fing schon beim Fussballspielen in der Pause an. Dabei ist man im soz. Umfeld ein Aussenseiter und bleibt es meist auch, wenn man nichts ändert oder ändern kann. Dann geht es weiter durch die Pubertät und als junger Erwachsener hast Du dann gleich doppelt Mühe um überhaupt eine Freundin zu finden, die mit einem Dicken an der Seite in die Disco möchte..
    So sollte eigentlich niemand ausgegrenzt werden.