Embrace – meine kleine Filmkritik

Ich musste einige Tage warten, bis ich etwas zu dem Kinofilm Embrace sagen kann. Zunächst war ich angerührt und betroffen. Danach kamen aber noch andere Gefühle und auch kleine Fragezeichen.

 

Für alle, die ihn nicht gesehen haben: Es geht um eine Australierin, die  sich nach der Geburt von drei Kindern in ihrem Körper nicht mehr wohl fühlt.  Um dies zu lösen, trainiert sie intensiv und tritt nach 18 Monaten bei einem Wettbewerb für Bodybuilderinnen auf. Sie hat einen vermeintlichen super Körper und hatte gehofft, jetzt endlich glücklich zu sein. Ist sie aber nicht. Sie stoppt all die Entbehrungen und lebt wieder ein normales Leben. Irgendwann postet sie Bilder „Vorher – Nachher“ und schreibt, wie viel wohler sie sich mit ihrem natürlichen, runderen Körper fühlt.

Das hat sozusagen weltweite Auswirkungen, viele schreiben ihr und berichten von ihrem eigenen Körperhass. Sie macht sich irgendwann auf die Reise durch die Welt. Sie will Menschen kennenlernen, die auch etwas zum Thema Schönheit zu sagen haben. Im Film begleiten wir sie auf dieser Reise. Wir treffen eine Chefredakteurin von Modezeitschriften, einen Schönheitschirurg, Schauspielerinnen, eine magersüchtige Frau, Talkshow-Masterinnen, eine Fotografin und viele mehr.

 

Für mich war dieser Film auf der einen Seite anrührend. Frauen, die offen über ihre Sorgen und Hoffnungen reden, rühren mich nunmal. Ich mag Offenheit. Dennoch hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass die dort vorgestellte Welt nichts mit meiner Welt zu tun hat.

 

Besucht wurden Frauen, die sich bewusst oder unbewusst entschieden haben, in der Schönheitswelt irgendwie mit zu spielen. Keine Frau muss das tun! Es mag sein, dass es nicht ganz einfach ist dem Mainstream zu entkommen, aber ich weiß aus eigener Erfahrung und der von vielen anderen Frauen, dass es geht. Man kann aus diesem Diktat der Schönheit aussteigen, ja man muss nicht mal einsteigen.

 

Der Film blieb mir zu sehr in einer Opferrolle. Nur weil die Medien uns ein Frauenideal vorspielen, was nicht einzuhalten ist, müssen wir doch nicht wie kleine blöde Opfer diese Zeitschriften kaufen und uns durch entsprechende Bilder beeinflussen lassen. Wer sagt, dass wir unser Bauchfett in die Lippen spritzen sollen. Ich fand diese Szene beim Schönheitschirurg ausgesprochen amüsant, weil absurd. Wer da ernsthaft mitmacht, muss das ganz für sich selbst entscheiden.

 

In einzelnen Sequenzen habe ich von frauenfeindlichen Aktionen gehört, die ich noch nicht kannte. Wie das Computerspiel, bei dem die zu teure Hure am Ende abgeschossen werden kann. So was gehört verboten! Und auch wenn diese Forderung weltweilt vielleicht schwer umzusetzen ist, dann hat mir diese klare Forderung in dem Film gefehlt.

 

Der Film ist ein erschreckendes Portrait vom verhassten Selbstbild von Frauen. Wenn ich heute auf den Film zurückblicke, habe ich aber wenig Tipps gehört, wie sich Frau von diesem Selbstbild frei machen kann. Die vorgestellte Fotografin empfiehlt nackte Bilder von sich selbst und das tägliche nackte Körperbild im Spiegel. Gute Tipps, aber da gibt es schon noch viel mehr!

 

Politische Forderungen haben ganz gefehlt. Wie wäre es denn mit einem Verbot der Veröffentlichung von Bildern von Modells unter einer bestimmten Kleidergröße? Weil sie Magersucht fördern und sonst sind Staaten ja auch rege hinterher, suchtmachende Substanzen zu verbieten. Wie wäre es mit einem kritischen Blick auf die, die von dem Schönheitsideal profitieren? Die Wirtschaftsmacht, die hinter diesem Thema steckt, kam mir in dem Film auch zu wenig zu Wort.

 

Trotzdem kann ich den Film empfehlen. Für alle Frauen, die noch kritisch auf ihren Körper blicken – keine Frage. Besonders für Mütter ist er wichtig. Ich habe den Film mit einer guten Freundin angeschaut, sie hat eine 8-jährige Tochter. Hier immer wieder zu reflektieren, was wir unseren Töchtern mitgeben, wenn wir selbst kritisch mit unserem Körper sind, das ist zentral. Inklusive einem sehr sensiblen Umgang mit Aussagen der Töchter und Söhne, wenn sie blödsinnige Körperweisheiten in der Schulen, im Fernsehen oder sonstwo aufgeschnappt haben. Um mit guten Gesprächen den kindlichen Blickwinkel immer wieder zu korrigieren oder zumindest zu erweitern.

 

Mein Fazit: Die Frauenwelt ist viel, viel größer und das macht sie spannend. Die erwachsene Entscheidung, sich in die Schönheitswelt zu begeben, ist eine Entscheidung. Ob bewusst oder unbewusst, ich kann sie tätigen oder ich kann es lassen. Und wie spannend, dass Frauen, die diese Entscheidung vielleicht gar nicht wirklich tätigen können wg. Behinderung, Gewicht und anderen vermeintlichen Makeln, möglicherweise ein deutlich interessantes Leben führen dürfen.

 

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