Die Gefahren von Diäten



Der Gewichtsverlust durch eine Diät ist in den meisten Fällen (über 90%) nicht langfristig. Langfristig können aber die Schäden sein, die eine Diät dem Körper zufügt. Denn die weitverbreitete Annahme, der Körper würde bei verringerter Nahrungszufuhr Fett abbauen, ist falsch. Der Körper baut sich selbst ab. Bei radikalen Diäten können Muskeln und Knochen abgebaut werden.

 

Die Muskeln, die am meisten gefährdet sind, sind die Herzmuskeln. Das Risiko am Herz zu erkranken ist 70 Prozent höher, wenn das Gewicht stark schwankend ist. Unabhängig von der Höhe des Gewichts, des Blutdrucks, der Rauchgewohnheiten, des Cholesterinspiegels und der körperlichen Aktivitäten. [1]

Hoher Blutdruck ist ein weiterer Nebeneffekt bei Diäten, verursacht durch hohen physischen und psychischen Streß. Der ernährungsbedingte Streß kann auch zu einem elektrolytischen Ungleichgewicht führen, das heißt im Blut befindet sich eine sehr geringe Menge an Kalium, welches zum Herzinfarkt führen kann.

 

Ein direkter Zusammenhang zwischen Diäten und Osteoporosis konnte auch nachgewiesen werden. Osteoporosis ist eine tödliche Krankheit, die aufgrund eines Kalziummangels zum Knochenabbau, bzw. zu stark zerbrechlichen Knochen, führt. Schon ein fünf-monatiges Diätprogramm kann zu einem signifikanten Knochenverlust führen.

 

Die Liste der Krankheiten, die mit Diäten verbunden werden, ist lang und wird mit jedem Tag ein bißchen länger. Es weisen immer mehr Studien nach, daß unsere „Kuren” uns umbringen. Die Krankheitsliste enthält beispielsweise: Angstzustände, Depressionen, Lethargie, verringertes Selbstbewußtsein, verminderte Aufnahmefähigkeit, Schwächeanfälle, hoher Blutdruck, Haarverlust, Gallenblasenkrankheiten, Gallensteine, Herzinfarkte, Verstopfung, Anämie, trockene Haut, Schwindelanfälle, vermindertes Sexualbedürfnis, Menstruationsunregelmäßigkeiten, Unfruchtbarkeit, Nierensteine, Taubheit in den Beinen, Geschwüre, Gewichtszunahme, Eßstörungen, verringerte Abwehrkräfte, Gicht, verringerte Bewegungstoleranz, elektrolytisches Ungleichgewicht, Knochenverlust, Osteoporosis und Tod. [2]

 

Wenn man sich diese Liste anschaut, dann ist es vielleicht ein bisschen einfacher, von Diäten loszukommen. Dennoch gibt es auch Gefahren, die in einem dicken Körper schlummern. Aber interessanterweise haben Menschen mit einem moderaten Übergewicht die höchste Lebenserwartung.  Und auch in einem schlanken Körper schlummern übrigens zahlreiche Krankheitsgefahren. Grundsätzlich halte ich die Fragen für berechtigt, welche Krankheiten tatsächlich aufgrund von hohem Gewicht entstehen, welche Krankheiten durch Diäten und Streß verursacht werden und welche Krankheiten bei dünnen wie dicken Menschen auftauchen. Nur bei dicken Menschen wird für ihre Krankheiten automatisch das Gewicht verantwortlich gemacht.

 

 

Indikator Sterblichkeitsrate

 

Es gibt zahlreiche Hinweise, daß viele der Gesundheitsrisiken, die hohem Gewicht zugeschrieben worden sind, sehr übertrieben wurden. Während einzelne Indikatoren, wie beispielsweise die Blutfettwerte oder der Cholesterinspiegel, sich durch eine Diät verbessern können, ist der wichtigste Indikator selten untersucht worden: die Sterblichkeit. Wenn man mit hohen Blutfettwerten gut alt werden kann, ja, wozu dann die eigene Gesundheit heute durch Diäten im Zweifel zu ruinieren? Interessanterweise findet man zu der Fragestellung „Senkt sich die Sterblichkeitsrate durch Diäten?” kaum Aussagen in der Fachliteratur. Nicolai Worms erwähnt in seinem – der Diätindustrie kritisch zugewandten – Buch „Diätlos glücklich” sehr interessante und nicht gerade diätfördernde Erkenntnisse. Er musste lange suchen, denn viele Studien untersuchen nicht, ob Diäten eine erhöhte Sterblichkeit mit sich bringen. Aber die 26 Studien, die er letztlich entdeckt hat, weisen alle eins nach: Abnehmen erhöht das Sterblichkeitsriskio. 

 

Die Überlebenskraft der Dicken zeigt sich auch bei der Bewältigung von Krankheiten. Zunächst bemerkten im Jahr 1999 Nierenfachärzte in San Francisco, dass ihre schlanken Dialyse-Patienten schneller dahinschieden als die übergewichtigen. Dann zeigte sich, dass auch Dicke mit Herzinfarkt länger leben, ebenso wie nach schweren Operationen, nach Sepsis, Schlaganfall oder Hirnblutung und Dicke mit Rheuma oder Krebs. Immer waren die Übergewichtigen im Vorteil - und zwar nicht nur, wenn sie ein paar Pfund mehr auf den Rippen hatten, sondern auch, wenn sie deutlich übergewichtig waren mit einem BMI von gut 30. (S. Artikel in der SZ). 

 

Wir machen also eine Diät nach der anderen und nicht nur, daß wir uns damit unser Selbstvertrauen ruinieren und sicherlich viel Lebensqualität an uns vorbeizieht, nein, selbst wenn wir – für unser Selbstvertrauen sicherlich förderlich – „erfolgreich” sind und Gewicht abnehmen, verringern wir unsere Lebenserwartung. Wann kommt der Tag, an dem diese Information auch in medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Kreisen so bekannt ist, daß eine Ärztin nicht zu einer Diät rät, sondern über die Gefahren aufklärt? Wann hat schon mal ein Arzt seiner Patientin den Rat gegeben, zuzunehmen, weil Dünnsein mit einer höheren Sterblichkeitsrate verbunden ist?

 

Es gibt auch Beweise dafür, daß Gesundheitsrisiken, die mit Gewicht verbunden sind, nicht zwangsläufig zu höheren Sterblichkeitsraten führen. Zusätzlich zu der höheren Lebenserwartung von dicken Menschen sind die Risiken geringer an verschiedenen Arten von Krebs sowie an Atemwegsbeschwerden zu erkranken. Bei dicken Menschen kommt Brustkrebs in den mittleren Jahren sowie Magenkrebs, Lungenkrebs, Dickdarmkrebs und Hirnhauterkrankungen seltener vor. Ebenso gibt es Befunde, daß sie mit Krebs länger leben als Dünne. Auch die Häufigkeit von Bronchitis und Tuberkulose, Blutarmut, Magengeschwüren und Hüft- und Wirbelsäulenbrüchen ist geringer.

 

Dennoch gibt es natürlich auch Untersuchungen, die diverse gesundheitliche Risiken bei dicken Menschen nachgewiesen haben. Viele der dabei nachgewiesenen Krankheiten finden sich schon auf der Liste der möglichen Krankheiten, die durch Diäten verursacht werden. Die meisten MedizinerInnen, die über übergewichtige Menschen forschen, unterscheiden nicht zwischen solchen Menschen, die Diäten gemacht haben und solchen, die keine gemacht haben. Dies ist in der westlich industrialisierten Welt auch schwierig, da die meisten dicken Menschen hier diverse Diäten versucht haben.

 

Studien in anderen Kulturen – in denen füllige Körper akzeptiert sind – zeigen, daß sehr viele „Dicken-Krankheiten" wesentlich seltener auftauchen als bei dicken Menschen aus unserem Kulturkreis. Dies ist ein Indikator, daß Diäten und der Streß in einer schlankheitsbesessenen Gesellschaft zu leben, viele Probleme verursachen. Ancel Keys, der 16 verschiedene Langzeitstudien in sieben verschiedenen Ländern zur Frage der Relation zwischen Fettleibigkeit und Todesrisiko koordiniert hat, stellte im Gegensatz zur Annahme vieler Krankenkassen fest: „In keinem Land dieser Studie war Übergewicht oder Fettleibigkeit ein großes Todesrisiko oder der Auslöser für eine Herzkranzkrankheit".

 

Wer mehr zu diesem Zusammenhang erfahren will, dem empfehlen wir die Bücher von Dr. Günter Frank, einem Meister darin, wissenschaftliche Untersuchen zu hinterfragen und in vielen Studien handwerkliche und oft gravierende Mängel nachzuweisen. Achim Peters erforscht den Zusammenhang zwischen Gehirn und Gewicht, auch ein sehr wichtiger Aspekt, der bisher oft aussen vor gelassen worden ist. 

 

Diäten sind die Einstiegsdroge für alle Essstörungen. Dazu gibt es hier mehr. 



[1] Framingham Studie, veröffentlicht 1991 im „New England Journal of Medicine“

[2] Dwan Atkins „Weight Loss, Fact and Fiction" von NAAFA, USA