Einstiegsdroge Diäten



Die rasante Steigerung von Eßstörun­gen ist mehr als erschreckend. Diäten sind dabei die Einstiegsdroge, die sich dann von der Eßstörungen hin zum Suchtverhal­ten weiterentwickeln kann. Rund 90 Prozent der Menschen, die mehr als vier Diäten aus­probiert haben, berichten über Schwierigkeiten im Eßverhalten.[i]

 

Der nächste, weit schwerwiegendere Schritt führt diäthaltende Menschen zur Sucht. Bei verminderter Nahrungsaufnahme versucht der Körper die lange Krisenzeit durch die Ausschüt­tung von eigenen Hormonen, den sogenannten Endorphinen, zu versüßen. Sie verscheuchen Depressionen, verringern das Schmerzempfinden und die Angst, insgesamt erhöhen sie das Wohlbefinden. Der Wunsch, immer wieder mit diesem Gefühl in Kontakt zu kommen, kann dazu führen, daß Menschen nach dem Hunger selbst süchtig werden. Die Sucht verlangt nach immer stärkerem Hunger. Irgendwann ist der Körper so ausgemergelt, daß nicht mehr weiter abgenommen werden kann, um das Verlangen nach Endorphinen zu befriedigen. Es kommt schließlich zum „burn out”, zum Ausgebranntsein, wie bei einem Fixer.[ii]

 

Magersüchtige hungern sich buchstäblich zu Tode. Schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Magersüchtigen sind nicht mehr zu retten, sie sterben den Hungertod im Schlaraffenland.[iii] Und am An­fang der möglicherweise tödlich ausgehenden Sucht stand die Diät. Angesichts dieser Zahlen und der dahinter liegenden Schicksale, müsste an Schulen über Diä­ten als Einstiegsdroge genauso aufgeklärt werden wie über andere Drogen. Für Eßstörungen liegt kaum Unterrichtsmaterial vor, noch seltener finden sich Materialien im Unterricht wieder, die das gängige Schönheits­ideal und die regelmäßigen Diäten von Schülerinnen in Frage stellen.

 

Dasselbe gilt natürlich auch für alle anderen Essstörungen, wie beispielsweise Esssucht und Bulimie. Keine davon hätte sich ohne eine Diät entwickelt. 

 

Was macht dicke Menschen krank?



[i] DGE, Ernährungsbericht 1992, Frankfurt 1992

[ii] Huebner HF, Endorphins, Eating Disorders and Other Addictive Behaviors, New York 1993, zit. nach Pollmer, Gonder „Prost Mahlzeit“, S. 262

[iii] Nutzinger DO et al, Nervenarzt, 1991/62/S.198 zit. nach Pollmer, Gonder „Prost Mahlzeit“, S. 256