Was kontrolliert das Gewicht?



Unser natürliches Gewicht wird überwiegend durch unsere Gene bestimmt. Zahlreiche Studien haben versucht nachzuweisen, daß dicke Menschen mehr und anders als dünne Menschen essen. Alle sind sie gescheitert. Einige wiesen stattdessen nach, daß dicke Menschen weniger essen als Dünne.

 

Eines der größten Probleme mit Diäten ist die Annahme, daß das Gewicht im Magen bestimmt wird. Unsere Verdauung wird aber, wie die meisten Körper funktionen, durch unser Gehirn gesteuert, durch den Hypothalamus. Im Gehirn wird der sogenannte Gewichts-Setpoint reguliert. Wie ein Thermostat variiert unser Gewicht leicht, je nach äußeren Einflüssen, wie Temperatur, Nahrungsmenge und -qualität sowie Bewegung. Dennoch gilt dies höchstens für 10 – 15 Prozent des Gewichtes eines Menschen. So kann das Gewicht zwischen fünf und zehn Kilo pendeln, wenn das Eßverhalten nicht kontrolliert wird.

 

Je mehr man die Biologie der Gewichtsregulation versteht, desto mehr sieht man, ungeachtet des Gewichtes, Diäthaltende gegen den natürlichen Widerstand ihres Körpers ankämpfen. Gewichtsverlust zu erreichen ist kurzfristig relativ leicht, aber diesen Verlust aufrecht zu erhalten, ist sehr schwierig. In den meisten Fällen gehen wir anti-biologisch vor. Körpergewicht wird durch den Stoffwechsel reguliert, ebenso wie viele andere biologische Prozesse (z.B. Körpertemperatur, Herzrhythmus und Blutdruck). Innerhalb einer gewissen Grenze geht der Körper bemerkenswert weit, um ein Gleichgewicht oder einen Ausgleich zu erhalten. In Bezug auf das Gewicht gilt für dieses Gleichgewicht eben der Set-point des Körpers. Wenn das Körpergewicht sich reduziert, wird der Stoffwechsel verlangsamt, so daß weniger Kalorien verbraucht werden, um das niedrigere Gewicht zu halten und nicht noch mehr zu verlieren. Zusätzlich zu diesen körperlichen Veränderungen, mit denen der Körper versucht, das Ungleichgewicht, das durch den Gewichtsverlust ausgelöst wurde, zu verbessern, verstärkt sich auf natürliche Art die vorrangige gedankliche Beschäftigung des Diäthaltenden mit Nahrung und Hunger. Dies ist ebenfalls ein Teil der Bemühungen des Systems, das Gleichgewicht zu erhalten. Viele Menschen fragen: „Warum sollte ich nicht fähig sein, abzunehmen, wo ich doch mehr wiege als der Durchschnitt?” Die Antwort ist einfach, aber völlig unvereinbar mit der Propaganda der Diätindustrie (und leider auch mancher Gesundheitsexperten): Das Körpergewicht kämpft gegen eine Abweichung von seinem bevorzugten Level; und dieser Prozess wirkt sich bei dicken Menschen genauso aus wie bei dünnen Menschen. Aufgrund genetischer Bestimmung werden manche Menschen dick und andere bleiben dünn. Dick ist dabei nicht die schlechtere Disposition. Für Tausende von Jahren der menschlichen Evolution wurden die Gene jener selektiert, die dazu bestimmt waren, dick zu sein (das heißt, die, die ihre Kalorien wirkungsvoller nutzten), da diese Menschen fähig waren, während Nahrungsknappheit zu überleben. Von Natur aus dünne Menschen starben einfach öfter angesichts der existierenden Hungersnöte. Jene, die ihr Gewicht auch mit weniger Nah­rung beibehielten, überlebten.

 

Es ist nun völlig unlogisch zu erwarten, daß, nur weil die bevorzugte Figur in den letzten 90 Jahren immer schlanker wurde, die Jahrtausende von evolutionärem Vor­zug der genetischen Faktoren, die so viele von uns zum Dicksein neigen lassen, sich nun umkehren sollte. Obwohl die Faktoren vielfältig und komplex sind, gilt generell, daß es natürliche Unterschiede im Körpergewicht bei den Menschen gibt, genauso wie es auch Unterschiede in anderen körperlichen Eigenschaften gibt.

 

Wir akzeptieren na­türliche Abweichungen vom Durchschnitt bei anderen körperlichen Attributen (z.B. Größe und Intelligenz), sogar wenn sie mit sozialen Nachteilen verbunden sind. Ich bin 1,65 Meter groß, und obwohl Größe bevorzugt wird und Kleinsein alle Arten von sozialen Nachteilen verleiht (ich wollte im Basketball-Team spielen, aber ich wurde noch nicht mal zu den Tests eingeladen), wären da nur wenige, die mich anflehen würden, wegen der sozialen Vorteile zu wachsen. Genauso gibt es wenig Beweise darüber, daß man sein Körpergewicht auf Dauer ändern kann.[i] Aber in allen Zeit­schriften und selbst durch Mediziner wird uns weisgemacht, daß die Manipulation des Körpers bei dicken Menschen möglich sei. Wie absurd würde es uns anmuten, wenn wir in einer Modezeitschrift lesen könnten: „Die wirklich hübschen Modells sind 1,80 Meter, mit unseren Tipps zur Ernährung wachsen sie täglich mindestens einen Zentimeter!” Natürlich gibt es hier einen Unterschied: Kurzfristiger Gewichtsverlust ist relativ einfach. Das geringere Gewicht dann zu halten, ist statistisch eine un­wahrscheinliche Begebenheit. Eine Freundin fasste den Zustand gut zusammen. Sie meinte: „Ich kann einen dünneren Körper mieten, aber ich werde ihn nie besitzen können.” Die kleine Minderheit der Menschen, die abnehmen und so bleiben, kämpfen oft mit chronischem Hunger und werden immer weniger essen müssen, als ihre von Natur aus dünnen Freunde. Es ist ein chronisches Kämpfen gegen den natürlichen Drang zu essen und zu überleben!

 

Hier geht es weiter zum Jo-Jo-Effekt.

[i] David Garner „Rent a new body” in Radiance 1991