Dick? Ein furchtbares Wort

 

Es stört Dich jetzt schon, daß ich mit dem Wort „dick“ so freizügig umgehen? Zuckst Du immer wieder zusammen, oder stolperst Du über diese Zeilen? Fühlst Du Dich vielleicht sogar angegriffen? Weil Du „dick“ nur als Schimpfwort kennst? Die dicke Kuh, das dicke Kamel, der Dickwanst, der dicke Fettarsch...

 

Schade, daß man uns die schlichte Beschreibung eines äußeren Merkmals, das schlichte kleine Adjektiv, welches genauso wie groß, klein, blond, blauäugig oder lockig unser Äußeres beschreibt, weggenommen hat und der gesellschaftliche Schlankheitswahn es für sich eingenommen hat. Als etwas Schlimmes, etwas, das nicht mehr eine beschreibende, sondern beschimpfende Wirkung hat.

 

Solange wir voller Schuldgefühle sind, werden wir auf diese Beschimpfungen hineinfallen und mit Scham reagieren. Aber wenn es nicht mehr schlimm ist, dick zu sein, dann kann ich mit diesem kleinen, unschuldigen und so kurzen Wort auch nicht mehr getroffen werden.

 

Wir sind dick? Ja, und? Es ist okay!

 

Das Wort dick muß nichts Negatives beschreiben, es beschreibt schlicht einen Zustand. Und mit dem selbstverständlichen Umgang mit diesem Wort können wir uns es als beschreibendes Adjektiv „zurückerobern“. Übe mal ruhig: ganz langsam: D I C K, es ist ganz kurz, nur vier Buchstaben und nur ein kleines Adjektiv.

 

Ich bin dick! Wer ist noch dick? Bin ich dick? Ich bin dick!

 

Andere umschreibende und vermeintlich schmeichelnde Umschreibungen für dick stellen schnell eine Umschreibung her, die den dicken Zustand als etwas peinliches ansieht. Schnell verleugnen wir uns mit diesen „netten“ Umschreibungen wie „mollig“, „vollschlank“ oder „pfundig“. Warum brauchen wir solche Begriffe, warum müssen wir verschämt und vermeintlich verschönend umschrieben werden? Warum dürfen wir nicht einfach so beschrieben werden, wie wir nun mal sind? Dick!

 

Möglicherweise helfen vielen von uns diese Bezeichnungen um in einen ersten Kontakt mit sich selbst zu treten. Beispielsweise bei Kontaktanzeigen: „Rubensfrau sucht...“, wie undenkbar und doch ehrlich wäre es, wenn dort einfach stünde „dicke wunderbare Frau sucht...“. Aber vor dieser Bezeichnung haben wir Angst, sie könnte zu abschreckend wirken. Und wahrscheinlich würde es auch so sein.

 

Warum nicht übergewichtig? 

Das Wort Übergewicht hat sich sehr stark in unserem Leben etabliert. Nur manifest dieses Wort eine Norm. Wer sagt denn, welches Gewicht normal ist und "über" welches Gewicht man liegt? Man ist ja auch nicht übergroß oder hat überlange Fingernägel. Sondern es gibt große Menschen und es gibt lange Fingernägel. So wie es eben auch dicke Menschen gibt. 

 

Was ist mit fett?

Diese Bezeichnung kommt überwiegend aus dem englischsprachigen Raum. "Fat" ist dort der Begriff, der mit Normalität einen dicken - eben fetten - Körper beschreibt. Ich persönlich finde die Beschreibung dick nach wie vor besser, einfach weil ich mich nur beschreiben und nicht automatisch auch noch provozieren will. Obwohl ich dies bei vielen Menschen auch schon mit dem Wort "dick" tue. Ich finde es dennoch völlig okay, wenn Menschen sich als fett beschreiben. Genauso gut, wie mit dem Wort dick. Vielleicht etwas provokanter. Wer provokant sein will, soll dies tun. Jede Provokation hat das Zeug dazu, andere Menschen zum Nachdenken anzuregen. Und das soll es ja sein.  

 

Auf diesen Seiten und in meinen Büchern verwende ich das Wort "dick" und hoffen, daß Du auch frei mit dem Wort und Deinem Körperumfang umgehen kannst! Oder Dich auf den Weg begibst, manchmal mit mehr und manchmal auch mit weniger Erfolg - dieser Wechsel gehört wahrscheinlich dazu. 

 

Hier kannst Du im nächsten Artikel weiterlesen, wie sich Selbsthass negativ auf das Leben dicker Menschen auswirkt.