Sport mit Gleichgesinnten

 

Gerade in der Anfangsphase einer neuen Sportart ist es deutlich angenehmer, diese unter seinesgleichen auszuprobieren. Informiere Dich in Deiner Stadt, bei Sportvereinen, der Volkshochschule, in Fitneßcentern oder bei einer Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, ob es Sportangebote für dicke Menschen in Deiner Nähe gibt. Werden diese angeboten, ist dies meist der beste Einstieg, den es geben kann. Hier bist Du unter Gleichgesinnten und kannst langsam ausprobieren, wie sich die neuen Bewegungen anfühlen. Ihr werdet viel Spaß untereinander haben, alleine schon, weil dieses unselige Gefühl wegfällt, die einzige dicke Person in einer sonst schlanken Sportgruppe zu sein. Hier sind alle dick. 

 

Es kann auch sein, daß Du Dir selbst Dein „dickes“ Sportangebot aufbauen bzw. initiieren musst. Über Anzeigen in Zeitungen und Faltblätter in Geschäften für große Größen kannst Du nach Mitstreitern suchen und ein gemeinsames Sportprogramm erarbeiten. In Sportvereinen oder auch in Fitneßcentern finden sich dann durchaus auch TrainerInnen, die bereit sind, mit Dir ein Sportangebot aufzubauen. Mach dabei deutlich, was Du willst. Du willst kein neues Schlankheitsprogramm, sondern Du willst wahrscheinlich, daß auf Deine Beweglichkeit und die Besonderheit des dicken Körpers Rücksicht genommen wird. Du willst Spaß haben und kein Fitnessprogramm durchziehen, bei welchem die Qual im Vordergrund steht. 

 

Cathrin aus Braunschweig hat eine Aquarobic Gruppe in Leben gerufen. Sie beschreibt anschaulich, welche Schritte zu beachten waren, um als dicke Gruppe in einen besonderen sportlichen Genuß zu kommen:

 

Angefangen hat alles mit der Überlegung, welche Sportart sich besonders für dicke Menschen eignet. Da ich schon einmal einen Aquarobic-Kurs belegt hatte, konnte ich mitteilen, daß dieser Sport sehr gelenkschonend ist und dazu noch viel Spaß macht. Es gibt natürlich noch weitere positive Punkte:

  • Die Herz-Kreislauf-Belastung ist höher als an „Land“.
  • Es ist mehr Arbeit für den Körper, da er noch die Körperwärme regulieren muß.
  • Das optische Bild, d.h. ich sehe, daß ich meinen Körper unter Wasser hemmungsloser bewege, weil die anderen mich nicht sehen.

Der einzige negative Punkt war für viele die Tatsache, daß sie in ein Schwimmbad mußten.

 

Nachdem wir die Idee hatten, wollten wir sie umsetzen: Ich habe einen Bademeister angesprochen, ob es nicht die Möglichkeit gäbe, einen solchen Kurs anzubieten. Dieser war von der Idee begeistert und hatte zum Glück auch die entsprechende Zusatzausbildung und Erfahrung mit Aquarobic.

 

Der Bademeister und ich gingen also in die Planungsphase über: Wieviele Teilnehmerinnen, Welche Termine …. Vom Stadtbad (das den Kurs ausgeschrieben hatte) wurde nur der Preis vorgegeben, den Rest konnte ich mit dem Bademeister selbst aushandeln, was durch sein großes Interesse und seine vorurteilsfreie Haltung gegenüber Dicken nicht schwierig war. Vielmehr war es so, daß er alles mit mir abgesprochen hat, um zu erfahren, ob irgendetwas diskriminierend aufgefaßt werden könnte.

 

Nun wurden vom Stadtbad Plakate für den Kurs „Aquarobic für große Größen“ gedruckt und in allen Badeanstalten in Braunschweig ausgehängt. Parallel dazu haben wir eine Pressemitteilung herausgegeben. Der Anklang war gut, in kürzester Zeit war der Kurs ausgebucht.

 

Mittlerweile ist der erste Kurs abgeschlossen und alle Teilnehmerinnen wollen den Folgekurs wieder belegen. Bis dahin wollen ein paar von uns an den „normalen“ Aquarobic-Kursen teilnehmen. – Ist das nicht toll, was acht Stunden ausmachen können?!

 

Unsere Anforderungen an einen Aquarobic-Kurs in zusammengefaßter Form:

  • Ausgebildete/r Kursleiter/in ohne Vorurteile
  • Angemessenes Trainingsprogramm
  • Mitspracherecht des Ideengebers bei der Planung des ersten Kurses
  • Werbung und Veröffentlichung obliegt dem Träger/Veranstalter
  • Maximal 15 TeilnehmerInnen
  • Kurstermine außerhalb der Öffnungszeiten oder zu Zeiten mit wenig Publikumsverkehr.

 

Wir in Braunschweig hoffen, daß in naher Zukunft auch in anderen Städten Aquarobic-Kurse für Dicke angeboten werden. Leute, steht auf und geht in die OFFENSIVE, meistens klappt das sehr gut.

 

Solltest Du keine Lust auf die Gründung einer neuen Sportgruppe haben oder erscheint dies an Deinem  Wohnort nicht möglich (zum Beispiel auf dem platten Land), dann suche Dir eine gute, möglichst dicke Freundin, mit der Du ein gemeinsames Sportprogramm verabreden kannst. Willi, unser Schweinehund, wird viel größere Schwierigkeiten haben, uns zum Verbleiben auf der Couch zu überreden, wenn uns eine Freundin abholt oder im Schwimmbad auf uns wartet.