Warum sind Menschen dick?



Menschen sind nicht einfach nur dick, weil sie zuviel essen, sondern es gibt zahlreiche Ursachen für das sogenannte „Übergewicht“. Ein Großteil liegt in der genetischen Disposition, aber auch unser Ernährungsangebot, unser Lebensstil und letzten Endes auch unsere Sucht nach Schlankheit können eine Rolle spielen. Die unterschiedlichen Gründe sind oft miteinander kombiniert und viele dicke Menschen werden deshalb lange brauchen, um die jeweiligen eigenen Gründe zu ermitteln. Und viele finden es nie heraus, eben weil der Körper komplex ist und nicht einfach nach den Spielregeln funktioniert, die suggerieren: Iss weniger und beweg Dich mehr, dann wirst Du weniger. 

 

 

Genetische Ursachen

 

Das Schicksal, schlank oder dick zu sein, ist zu einem Großteil vererbt. Das bedeutet: Die Möglichkeiten des Körpers und die Bandbreite, mit der er auf hohe oder niedrige Kalorienzufuhr, wie auch auf hohen oder niedrigen Energieverbrauch, zu reagieren vermag, ist zum Teil eben bereits genetisch festgelegt. Deshalb entwickeln sich unterschiedliche Menschen in derselben Umwelt, die derzeit durch Überernährung und Bewegungsmangel gekennzeichnet ist, individuell anders. Die einen bleiben, obwohl sie sich kaum bewegen und ungesund ernähren, schlank; die anderen halten trotz Fitneßstudio und kontrollierter Ernährung ihr hohes Gewicht und legen von Zeit zu Zeit noch zu. Wie stark im Einzelfall die Genetik hineinspielt, mögen folgende Beispiele belegen: Nur rund zehn Prozent der Kinder, die zwei schlanke Elternteile haben, werden später übergewichtig sein. Ist jedoch ein Elternteil dick, werden schon vierzig Prozent der Kinder später ebenfalls dick, und wenn gar beide Elternteile übergewichtig sind, können siebzig bis achtzig Prozent der Kinder diesem Schicksal nicht entgehen.[i] Wie stark das mehr an Gewicht dann jeweils ausgeprägt ist, wird noch zu vierzig bis fünfzig Prozent über Gene festgelegt.[ii]

 

Berühmt geworden sind Untersuchungen an Zwillingen, die gezeigt haben, daß Geschwister, die jeweils in einer ganz unterschiedlichen Umwelt aufwachsen, im Laufe des Lebens meist ein fast identisches Körpergewicht entwickeln. Man findet bezeichnenderweise auch einen viel engeren Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht von Adoptivkindern – wenn diese erwachsen sind – und ihren biologischen Eltern als mit den Adoptiveltern.[iii]

 

Die genetischen Anlagen werden in den meisten Fällen nicht gesehen, sie werden in unserer schlankheitsfixierten Gesellschaft systematisch übersehen. Für viele dicke Menschen ist es eine absolut neue Offenbarung, daß sie vielleicht nicht dick sind, weil sie zuviel essen, sondern daß dies ihnen – wie ihre braunen Augen – genetisch mitgegeben worden ist. Während wir nie auf den Gedanken kämen, einer besonders großen Frau oder einem kleinen Mann, beides eher benachteiligende Faktoren in unserer Normgesellschaft, ihre genetische Disposition abzusprechen, machen wir uns selbst und unserer Umwelt ständig Vorwürfe für unseren dicken Körper – einer häufig schlichten genetischen Veranlagung.

    

Wandel unserer Ernährungsgewohnheiten

 

Ernährungsbedingt geht es uns in den industrialisierten Ländern seit dem zweiten Weltkrieg immer besser. Hunger ist in Deutschland nicht bekannt, zumindest kein existenzbedrohender und unfreiwilliger Hunger. Die Kosten für Lebensmittel sind im Vergleich zu anderen Kosten des alltäglichen Lebens immer mehr gesunken. Das Angebot ist vielfältig, wir können uns über die Fülle nicht beklagen. Dennoch hat diese Fülle ihre Tücken. Verstärkt werden verarbeitete Nahrungsmittel angeboten, also Fertiggerichte, die die weitere Zubereitung vereinfachen, die aber meist über einen hohen Fett- und Zuckeranteil verfügen. Aufgrund unseres Lebensstils, der sich für viele dadurch kennzeichnet, wenig Zeit für die Nahrungszubereitung zu finden, greifen wir gerne auf solche Fertigprodukte zurück. Aber dennoch - auch hier gibt es Menschen, die von diesem Angebot nicht dicker werden und andere, die dies tun. 

 

Ein Grund liegt im unterschiedlichen Stoffwechsel, dem komplizierten Prozess, wie unser Körper und unser Gehirn Energie benötigt und wiederum verarbeitet. Verbrennt beim Gefühl, es ist genug da, und speichert für Zeiten des Mangels. Dieser Stoffwechsel ist bei vielen Menschen, die Diäterfahrung gemacht haben, komplett durcheinander. Er sorgt vor, für Zeiten des Mangels. Die hat er bereits erlebt und dies könnte in Zukunft wieder vorkommen.  



[i] Burton-Freemann, B. Fat and satiety, Rosemont, Illinois 1996, zitiert aus
Nicolai Worm „Diätlos glücklich“, S. 56

[ii] Holt, S.H.A., Brand-Miller, J.C., Petocz, P. et al. A satiety index of common foods. Eur.J. Clin. Nutr. 1995; 49:675-690 zitiert aus Nicolai Worm „Diätlos glücklich“, S. 56

[iii] Poppott, S.D., Prentice, A.M. Energy density and its role in the control of food intake: evidence from metabolic and community studies. Appetite 1996; 26:153 – 174, zitiert nach Nicolai Worm: „Diätlos glücklich“,S.56